Ordnungswidrigkeit vs. Straftat - der Unterschied im Detail

Tagtäglich begehen Auto- und Motorradfahrer im Straßenverkehr Ordnungswidrigkeiten und Straftaten. Zwischen beiden Begriffen bestehen erhebliche Unterschiede – auch in Bezug auf die Sanktionen. Im folgenden Beitrag erfahren Sie alles Wichtige zum Überschreiten der Grenzen im Straßenverkehr.

Worin liegt der Unterschied zwischen Ordnungswidrigkeit und Straftat?

Ordnungswidrigkeiten im Straßenverkehr zeichnen sich dadurch aus, dass es sich dabei um "leichte" Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung (StVO) handelt. Im Bußgeldkatalog findet sich eine Auflistung aller Ordnungswidrigkeiten.

Im Ordnungswidrigkeitengesetz (OWiG) ist die Ordnungswidrigkeit definiert.

  1. Eine Ordnungswidrigkeit ist eine rechtswidrige und vorwerfbare Handlung, die den Tatbestand des Gesetzes verwirklicht, das die Ahndung mit einer Geldbuße zulässt.
  2. Eine mit Geldbuße bedrohte Handlung ist eine rechtswidrige Handlung, die den Tatbestand eines Gesetzes im Sinne des Absatzes 1 verwirklicht, auch wenn sie nicht vorwerfbar begangen ist. (§ 1 OWiG)

Zusammengefasst: Eine Ordnungswidrigkeit ist eine geringfügige Verletzung von Recht und Gesetz.

Schwerwiegende Vergehen im Straßenverkehr werden dagegen als Straftat gewertet. Das ist meistens dann der Fall, wenn rücksichtslos gehandelt wird oder andere Verkehrsteilnehmer gefährdet werden. Straftaten mit Bezug zum Straßenverkehr sind unter anderem im Strafgesetzbuch (StGB) geregelt.

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Werden Ordnungswidrigkeiten und Straftaten unterschiedlich bestraft?

Für Ordnungswidrigkeiten gibt es feste Regelsätze im Bußgeldkatalog, an denen sich die Strafen orientieren. Dabei handelt es sich um Geldbußen, Fahrverbote und Punkte in Flensburg. Von den Regelsätzen kann allerdings abgewichen werden, wenn Sie den gleichen Verstoß wiederholt begehen.

Begehen Sie dagegen eine Straftat im Straßenverkehr, droht Ihnen eine Geldstrafe und in besonders schweren Fällen sogar eine Freiheitsstrafe. Die Geldstrafe richtet sich nicht nach Regelsätzen, sondern wird vom Gericht festgesetzt. Abhängig vom monatlichen Netto-Einkommen des Täters wird diese in Tagessätzen berechnet. Dabei entsprechen 30 Tagessätze einem Netto-Monatsgehalt.

Auch die Länge einer möglichen Haftstrafe liegt im Ermessen eines Richters. Dabei gibt das Gesetz allerdings immer einen Rahmen vor – also eine Mindest- und Höchstdauer der Haftstrafe.

Bei einer Straftat kann dem Täter außerdem die Fahrerlaubnis entzogen werden. Der Unterschied zum Fahrverbot im Bußgeldkatalog liegt darin, dass Ihnen nicht lediglich der Führerschein für maximal 3 Monate entzogen und im Anschluss automatisch zurückgegeben wird. Stattdessen wird Ihnen für mindestens 6 Monate die Erlaubnis entzogen, ein Kraftfahrzeug zu führen.

Nach Ablauf dieser Sperrfrist müssen Sie die Wiedererteilung der Fahrerlaubnis beantragen. Für die Neuerteilung kann zudem eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) angeordnet werden.

Eintrag im Führungszeugnis

Wurden Sie für eine Straftat verurteilt, wird dies im Bundeszentralregister vermerkt. Sie können einen Auszug Ihrer Daten aus diesem Register beantragen, was umgangssprachlich als Führungszeugnis bezeichnet wird und häufig von Arbeitgebern gefordert wird. Straftaten mit einer Geldstrafe unter 90 Tagessätzen werden in diesem Auszug nicht aufgeführt. Werden Sie also zu 90 Tagessätzen oder mehr verurteilt, gelten Sie in Ihrem Führungszeugnis als vorbestraft.

Wann begehe ich eine Ordnungswidrigkeit?

Bei einer Ordnungswidrigkeit im Straßenverkehr handelt es sich um eine Verkehrsordnungswidrigkeit. Beispiele dafür sind Folgende:

Die häufigste Ordnungswidrigkeit ist die Geschwindigkeitsüberschreitung. Die entsprechenden Strafen laut Bußgeldkatalog finden Sie in der folgenden Übersicht.

Geschwindigkeitsüberschreitung innerorts

Geschwindigkeits­überschreitung Bußgeld Punkte Fahrverbot
Bis 10 km/h 15 Euro    
11 bis 15 km/h 25 Euro    
16 bis 20 km/h 35 Euro    
21 bis 25 km/h 80 Euro 1  
26 bis 30 km/h 100 Euro 1 1 Monat*
31 bis 40 km/h 160 Euro 2 1 Monat
41 bis 50 km/h 200 Euro 2 1 Monat
51 bis 60 km/h 280 Euro 2 2 Monat
61 bis 70 km/h 480 Euro 2 3 Monat
Über 70 km/h 680 Euro 2 3 Monat

Geschwindigkeitsüberschreitung außerorts

Geschwindigkeits­überschreitung Bußgeld Punkte Fahrverbot
Bis 10 km/h 10 Euro    
11 bis 15 km/h 20 Euro    
16 bis 20 km/h 30 Euro    
21 bis 25 km/h 70 Euro 1  
26 bis 30 km/h 80 Euro 1 1 Monat*
31 bis 40 km/h 120 Euro 1 1 Monat*
41 bis 50 km/h 160 Euro 2 1 Monat
51 bis 60 km/h 240 Euro 2 1 Monat
61 bis 70 km/h 440 Euro 2 2 Monat
Über 70 km/h 600 Euro 2 3 Monat

*In diesem Fall gilt ein Fahrverbot nur dann, wenn Sie 2 Mal im Jahr die Geschwindigkeit von 26 km/h oder mehr überschreiten.

Wann begehe ich eine Straftat im Straßenverkehr?

Bei Verkehrsstraftaten handelt es sich beispielsweise um folgende Delikte:

  • Fahren unter Einfluss von Alkohol, Drogen und Medikamenten
  • Fahren ohne Fahrerlaubnis
  • Fahrerflucht bei Unfall mit verletzten oder getöteten Personen
  • Unterlassene Hilfeleistung
  • Gefährdung des Straßenverkehrs
  • Fahren im Vollrausch
  • Missbrauch des Kennzeichens
  • Gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr

Gibt es Unterschiede bei der Verjährung von Ordnungswidrigkeiten und Straftaten?

Ordnungswidrigkeiten haben dem Gesetz nach eine Verjährungsfrist von 3 Monaten – die sogenannte Verfolgungsverjährung. Gesetzlich ist dies in § 26 StVG geregelt.

Zur Veranschaulichung: Sie haben am 12. Mai eine Ordnungswidrigkeit begangen. Sollte der Bußgeldbescheid nicht bis zum 11. August zugestellt werden, verjährt die Ordnungswidrigkeit. Der Tag des Ablaufs der Frist ist immer dem Tag des Vergehens voraus. Die Frist läuft immer einen Tag zuvor ab. Sollten Sie nach dem Vergehen erst einmal einen Anhörungsbogen erhalten, wird die Verjährungsfrist unterbrochen und beginnt ab diesem Tag von vorne.

Bei Straftaten sieht die Sache anders aus als bei Ordnungswidrigkeiten. In § 78 des StGB sind die Verjährungsfristen für die Strafverfolgung genau erläutert.

  • 30 Jahre bei Taten, die mit lebenslanger Freiheitsstrafe bedroht sind.
  • 20 Jahre bei Taten, die im Höchstmaß mit Freiheitsstrafen von mehr als 10 Jahren bedroht sind.
  • 10 Jahre bei Taten, die im Höchstmaß mit Freiheitsstrafen von mehr als 5 Jahren bis zu 10 Jahren bedroht sind.
  • 5 Jahre bei Taten, die im Höchstmaß mit Freiheitsstrafen von mehr als einem Jahr bis zu 5 Jahren bedroht sind.
  • 3 Jahre bei den übrigen Taten.

Die Verjährungsfristen dauern also wesentlich länger als bei Ordnungswidrigkeiten.

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