Anspruch auf Homeoffice statt Kündigung?

Ein Jahr Homeoffice – Luxus oder Gefahr?

Homeoffice schützt vor Ansteckung mit Corona. Das ist ein Fakt. Jedoch birgt die Möglichkeit zur Arbeit in den eigenen vier Wänden auch Probleme. Wovor Expert:innen warnen, welche Bilanz nach einem Jahr Pandemie gezogen wird und wie die deutsche Rechtslage zum Homeoffice ist, erklären wir hier.

Noch immer ein Vorteil?

Zeit sparen, die Gemütlichkeit der eigenen vier Wände genießen und die Arbeitszeit gewissermaßen selbst einteilen. Abgesehen vom Schutz vor der Ansteckung mit dem Corona-Virus im Büro schießen einem auch viele andere Vorteile vom Homeoffice sofort durch den Kopf. Allein im Januar 2021 befanden sich laut Umfragen rund ein Viertel der Deutschen zum Arbeiten zu Hause. Doch wie steht es um die Vor- und Nachteile nach einem Jahr?

Expert:innen warnten bereits 2019 vor den negativen Auswirkungen von Heimarbeit und langsam verdichten sich die Anzeichen unter den Home-Workern. Generell gilt es in der Forschung auch heute noch als umstritten, ob das Homeoffice Produktivität fördert oder sogar verhindert.

Zwischen Druck, Selbstzweifel und Misstrauen

Psychologen warnten vor zwei Jahren schon vor diesen Fallen. Denn laut den Expert:innen vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln wäre nicht jeder Mensch in der Lage, mit der Souveränität über die eigene Zeit umzugehen. Besonders der Mangel an schnellem, direkten Feedback könne Arbeitende mit Selbstzweifeln zurücklassen.

Auch die immer weiter verschwimmende Grenze zwischen Privatleben und Arbeit kann der psychischen und körperlichen Gesundheit zusetzen. E-Mails müssen fix beantwortet werden, damit nie der Eindruck entsteht, dass man untätig zu Hause sitzt. Das gegenseitige Misstrauen unter den Mitarbeitenden wächst dabei automatisch. Missverständnisse durch schriftliche Kommunikation entstehen öfter als bei echtem Austausch vor Ort. Die unklare Trennung von Arbeit und Privatleben führt zu mehr Stress bis hin zum Burnout.

Gefährliche Spaltung der Gesellschaft

Zudem darf nie vergessen werden, dass nicht alle Menschen die Möglichkeit besitzen, ihre Arbeitszeit im Homeoffice zu verbringen. Schon in der ersten Welle im Frühjahr 2020 – und dem anschließenden Lockdown – war es zwei von fünf Mitarbeitenden nicht möglich, die Arbeit von Zuhause aus zu erledigen.

Dabei laufen vor allem Regierung und Gesetzgeber durch ständige Aufforderungen und der Grunderwartung Gefahr, die Bevölkerung in Privilegierte und Benachteiligte zu spalten. Daher sollte man beim Thema Homeoffice nie vergessen, dass nicht alle können, viele müssen, aber einige auch gar nicht wollen.

Die Gesetzgebung zum Homeoffice

Bisher besteht in Deutschland kein grundsätzlicher Rechtsanspruch auf Homeoffice. Auch künftig gibt es seitens der Gesetzgebung keine Pläne, solche Ansprüche zu garantieren. Jedoch empfiehlt die Bundesregierung den Betrieben zur Zeit, Homeoffice – wenn möglich – anzubieten.

Mit den Beschlüssen der Ministerpräsidentenkonferenz vom Januar 2021 wurden Arbeitgeber:innen zumindest zeitweise dazu verpflichtet, der Belegschaft Homeoffice zu ermöglichen, wenn es die Arbeitsumstände zulassen. Die Verordnung galt zunächst jedoch nur bis zum 15. März.

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