Der OM 651 im Abgasskandal – Der Fall eines "Wundermotors"

EA189, OM 651 – was früher nur echten Autospezialisten ein Begriff war, ist im Zuge des Abgasskandals plötzlich vielen bekannt: Typenbezeichnungen von Dieselmotoren. Während der Dieselmotor EA189 bei Volkswagen der Ursprung des Skandals war, ist seit Mai 2018 auch die Verstrickung Daimlers, mit der Premiummarke Mercedes-Benz, bekannt. Erfahren Sie hier die Hintergründe zum Motor OM 651, die betroffenen Fahrzeuge und alles über Ihre nächsten Schritte.

Ein neues Kapitel im Abgasskandal: Der Motor OM 651 von Mercedes-Benz

Nachdem 2015 die Machenschaften von Volkswagen und Konzerntöchtern bekannt wurde, steht der Daimler-Konzern seit Februar 2018 ebenfalls im Verdacht, betrogen zu haben. Der Konzern wehrte sich immer gegen die Vorwürfe und noch 2015 versicherte Dieter Zetsche, Daimler würde keine illegale Software verwenden. Der Verdacht verdichtete sich aber, als Daimler 2018 tausendfach Fahrzeuge zurückrufen musste. Auch 2019 bestätigten sich die Vorwürfe, nachdem das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) weitere offizielle Rückrufe für Mercedes-Fahrzeuge aufgrund illegaler Abschalteinrichtungen anordnete. Insgesamt sind bisher ca. 1,3 Millionen Fahrzeuge durch das KBA zurückgerufen – und knapp 4 Millionen weitere in Form von "freiwilligen" Rückrufen.

Der Motortyp OM 651 wurde bei seiner Vorstellung im Jahr 2008 noch als Daimlers "Wundermotor" gehandelt. Besagter Motor ist der meistverbaute in der Markengeschichte und in fast allen Baureihen von Daimler im Einsatz. Es handelt sich um einen Vierzylinder, der in zwei Varianten (mit 1,8 oder 2,2 Litern) Hubraum gebaut wird. Nun steht der "Wundermotor" im Zentrum der Vorwürfe gegen Daimler.

In welchen Mercedes-Modellen wurde der OM 651 verbaut?

Der Motor OM 651 ist in zahlreichen Diesel-Fahrzeugen von Daimler verbaut. Nach bisherigem Stand sind folgende Modelle betroffen:

  Modell Motortyp (Hubraum) Baujahr
  A-Klasse    
  A 180 CDI/CDI BlueEFFICIENCY; OM 651 1,8 l 2012 bis 2013
  A 200 CDI; A 200 d OM 651 1,8 l seit 2015
  A 220 CDI/CDI BlueEFFICIENCY; A 220 d OM 651 2,2 l 2010 bis 2015
  B-Klasse    
  B 180 CDI/CDI BlueEFFICIENCY OM 651 1,8 l 2011 bis 2014
  B 200 CDI, B 200 d OM 651 1,8 l seit 2015
  B 220 CDI/CDI BlueEFFICIENCY; B 220 d OM 651 2,2 l 2012 bis 2013
  C-Klasse    
  C 180 CDI/CDI BlueEFFICIENCY OM 651 2010 bis 2014
  C 200 CDI/CDI BlueEFFICIENCY, C 200 d OM 651 2009 bis 2014
  C 220 CDI/CDI BlueEFFICIENCY/BlueTec, C 220 d OM 651 2009 bis 2015, seit 2015
  C 250 CDI/CDI BlueEFFICIENCY/BlueTEC,
C 250 d
OM 651

2008 bis 2015,
seit 2015

  C 300 BlueTEC Hybrid, C 300h OM 651 seit 2014
  CLA-Klasse    
  CLA 200 CDI, CLA 200 d OM 651 1,8 l 2013 bis 2014,
seit 2015
  CLA 220 CDI OM 651 2,2 l 2014 bis 2015
  CLA 220 CDI OM 651 2,2 l 2014 bis 2015
  CLS    
  CLS 220 BlueTEC, CLS 220 d OM 651 2,2 l 2014 bis 2015;
2015 bis 2018
  CLS 250 CDI/CDI BlueEFFICIENCY/BlueTEC;
CLS 250 d
OM 651 2,2 l 2011 bis 2015;
2015 bis 2018
  E-Klasse    
  E 200 CDI/CDI BlueEFFICIENCY, E 200 d OM 651 2,2 l 2013 bis 2014
  E 220 CDI/CDI BlueEFFICIENCY/BlueTec OM 651 2,2 l 2009 bis 2013
  E 250 CDI/CDI BlueEFFICIENCY/BlueTEC OM 651 2,2 l 2009 bis 2016
  E 300 BlueTEC Hybrid OM 651 2,2 l 2012 bis 2015
  GLA    
  GLA 200 CDI, GLA 200 d OM 651 2,2 l 2013 bis 2015,
seit 2015
  GLA 220 d OM 651 2,2 l seit 2015
  GLC    
  GLC 220d 4Matic OM 651 2,2 l 2015 bis 2016
  GLC 250d 4Matic OM 651 2,2 l seit 2015
  GLE    
  GLE 250d/4Matic OM 651 2,2 l 2015 bis 2018
  GLK    
  GLK 200 CDI BlueEFFICIENCY OM 651 2,2 l seit 2010
  GLK 220 BlueTEC 4Matic OM 651 2,2 l 2012 bis 2015
  GLK 250 BlueTEC 4Matic OM 651 2,2 l 2009 bis 2015
  ML    
  ML 250 BlueTEC 4Matic OM 651 2,2 l 2011 bis 2015
  S Klasse    
  S 250 CDI BlueEFFICIENCY OM 651 2,2 l 2011 bis 2013
  S 300 BlueTEC Hybrid/
BlueTEC (4Matic), S 300h
OM 651 2,2 l 2014 bis 2017
  SLK    
  SLK 250d, SLC 250d OM 651 2,2 l 2015 bis 2017
  Sprinter  

 

 

Sprinter 210 CDI/BlueTEC, 310 CDI/
BlueTEC, 510 CDI/BlueTEC

OM 651 2,2 l

2009 bis 2016

 

Sprinter 213 CDI/BlueTEC, 313 CDI/
BlueTEC, 513 CDI/BlueTEC

OM 651 2,2 l

seit 2016

 

Sprinter 214 CDI/314 CDI/414 CDI/
514 CDI

OM 651 2,2 l

seit 2016

 

Sprinter 216 CDI/BlueTEC, 316 CDI/
BlueTEC, 416 CDI/BlueTEC, 516 CDI/BlueTEC

OM 651 2,2 l

seit 2009

 

V Klasse

 

 

 

Vito 110 CDI

OM 651 2,2 l

seit 2010

 

V 200 CDI/Vito 114 CDI

OM 651 2,2 l

seit 2014

 

Viano 2.0 CDI/Vito 113 CDI

OM 651 2,2 l

seit 2010

 

Viano 2.2 CDI/Vito 116 CDI

OM 651 2,2 l

2010 bis 2014

 

V 220 CDI/Vito 116 CDI

OM 651 2,2 l

seit 2014

 

V 250 BlueTEC/Vito 119 BlueTEC

OM 651 2,2 l

seit 2014

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Alle Rückrufe von Mercedes-Dieseln

Es gab bereits mehrere offizielle Rückrufe des KBA, die Fahrzeuge mit OM 651-Motoren betrafen. Der letzte Rückruf fand im Januar 2020 statt und beinhaltete 150.000 Autos:

  • E-Klasse, Baujahr 2012-2016
  • S-Klasse, Baujahr 2013-2017
  • M-Klasse, Baujahr 2012-2016
  • CLS-Klasse, Baujahr 2014-2018
  • GLC, Baujahr 2015-2017
  • GLK, Baujahr 2012-2015
  • GLE, Baujahr 2015-2018
  • C-Klasse, Baujahr 2013-2016
  • SLK-Klasse, Baujahr 2015-2017

Beispielrückruf für Mercedes-Benz GLK mit OM 651-Motor:

Beispielrückruf für Mercedes-Benz GLK mit OM 651-Motor

Die illegalen Abschalteinrichtungen beim OM 651

Anfang 2018 stieß das KBA auf mehrere unzulässige Abschalteinrichtungen in Mercedes-Benz-Fahrzeugen mit dem Motor OM 651. Im März 2019 tauchten dann neue Berichte über eine weitere Abschalteinrichtung auf. Der Konzern versuchte diese heimlich mit dem "freiwilligen" Software-Update für die ursprünglichen Manipulationen zu beheben, doch das KBA reagierte und ordnete im Oktober 2019 erneut einen amtlichen Rückruf an.

Um folgende Abschalteinrichtungen handelt es sich:

  • Dosierung des Harnstoffmittels "AdBlue": Wie schon vom Abgasskandal bei VW bekannt, dient der Harnstoff "AdBlue" zur Abgasreinigung. VW, Audi, Porsche, Mercedes-Benz und BMW wird vorgeworfen, sich bezüglich eines geringeren Fassungsvermögens des AdBlue-Tanks abgesprochen zu haben. Das hat zur Folge, dass die zu geringe Menge AdBlue durch eine Software so reguliert werden muss, dass sie nur unzureichend eingedüst wird, um so die angepriesene Reichweite einzuhalten. Diese Software bestimmt, dass AdBlue nur im Prüf- und nicht im Realbetrieb in ausreichender Menge dosiert und eingespritzt wird. Im Straßenverkehr findet daher keine ausreichende Abgasreinigung statt.
  • "Thermofenster": Das Thermofenster ist eine Schutzfunktion des Motors, welche die Abgasreinigung des Motors abhängig von der Außentemperatur reguliert. Allerdings kalibrieren die Hersteller des Thermofenster so, dass die Abgasreinigung nur in einem Fenster zwischen 10 und 32 °C korrekt arbeitet. Darüber und darunter wird die Abgasreinigung deaktiviert und das Auto stößt ungehindert Stickoxide in die Luft aus. Etliche Gerichte, u.a. das Landgericht (LG) Mönchengladbach, haben das Thermofenster bereits als illegal eingestuft. Eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshof (EuGH) hierzu wird mit Spannung erwartet.
  • "Bit 15": Diese Motorsteuerungsfunktion sorgt dafür, dass die Abgasreinigung nach 26 gefahrenen Kilometern erheblich reduziert wird. Die Strecke entspricht exakt der Länge des Testzyklus NEFZ, den das Fahrzeug für die Einstufung in eine Euro-Abgasnorm durchlaufen muss.
  • "Slipguard": Diese Softwareeinstellung ist dafür zuständig, zu erkennen, wann das Fahrzeug im Prüfmodus ist und wann es sich im Realbetrieb befindet. Die Software misst dies anhand von Faktoren wie Geschwindigkeit, Beschleunigungswerten und Lenkwinkel. Je nach Modus – Prüf- oder Straßenbetriebsmodus – wird die Abgasreinigung entsprechend reguliert.
  • Kühlmittel-Solltemperatur-Regelung: Diese Funktion sorgt dafür, dass der Kühlmittelkreislauf künstlich abgekühlt und damit das Motoröl langsamer erhitzt wird. Dadurch wird die gesamte Verbrennungstemperatur im Motor reduziert, was wiederum die Emissionen von Stickoxiden senkt. Im normalen Straßenverkehr ist diese Funktion nicht in Betrieb.

Nutzen Sie jetzt unseren kostenfreien Online-Check und überprüfen Sie, ob Ihr Mercedes-Benz auch von einer der illegalen Abschalteinrichtungen betroffen ist. Wir beraten Sie in unserer kostenfreien Ersteinschätzung über Ihre besten nächsten Schritte. Außerdem bekommen Sie eine Schätzung von uns, wie hoch Ihr Schadensersatz voraussichtlich ausfallen wird.

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Gibt es für Modelle mit OM 651-Motor eine Hardware-Nachrüstung?

Die Hardware-Nachrüstung von Dieselfahrzeugen wird von Daimler vehement abgelehnt. Stattdessen muss man hier auf Drittanbieter vertrauen: Der Technologie-Entwickler Dr Pley und der niederländische Autozulieferer Bosal erhielten die Genehmigung vom KBA, Hardware-Nachrüst-Systeme zur Verfügung zu stellen. Die Nachrüstung soll den Stickoxidausstoß reduzieren und so u.a. den Wertverlust der Fahrzeuge stoppen und sie umweltfreundlicher machen. Außerdem erfüllen die nachgerüsteten Diesel die Euro-6-Norm und sind so vor möglichen Fahrverboten in den Innenstädten geschützt.

Wir empfehlen Ihnen eher die Durchführung der Hardware-Nachrüstungen als das von Daimler "freiwillig" angebotene bzw. durch das KBA angeordnete Software-Update, welches als Problemlösung vom Hersteller beworben wird. Diese stehen nämlich in der Kritik von Experten und Verbrauchern, da sie u.a. zu Leistungsabfällen, Mehrverbrauch und höherem Verschleiß von Bauteilen führen können. Das Software-Update schützt Sie im Ernstfall auch nicht vor Fahrverboten und Sie haben am Ende noch mehr Schaden an Ihrem Fahrzeug als zuvor.

Für folgende Fahrzeuge mit OM 651-Motor sind bisher Hardware-Nachrüstungen verfügbar:

  • C 180 CD
  • C 200 CDI
  • C 220 CDI
  • C 250 CDI
  • CLS 250 CDI
  • E 200 CDI
  • E 220 CDI
  • E 250 CDI/BlueTEC
  • E 300 BlueTEC Hybrid
  • GLK 200 CD
  • GLK 220 BlueTEC 4Matic
  • GLK 250 BlueTEC 4Matic

Verkompliziert werden diese Hardware-Nachrüstungen durch die Streitfrage, wer für die entstehenden Kosten von 3000 bis 3600 Euro aufkommt. Zwar haben sich Fahrzeughersteller wie Daimler bereit erklärt, einen Teil der Kosten zu übernehmen, das ist aber an einige Bedingungen geknüpft. Z.B. müssen Sie Ihren Erstwohnsitz in einer definierten "Intensivstadt" (also einer Stadt mit erheblichen Luftverschmutzungen durch Abgase) oder Umgebung haben. Außerdem muss die Nachrüstung Sie dazu befähigen, in eine der Intensivstädte einfahren zu dürfen. Schließlich muss Ihr Fahrzeug vor dem 2. Oktober 2018 zugelassen worden sein.

Darüber hinaus ist beim Kleingedruckten Vorsicht geboten: Wer eine Teilkostenerstattung der Konzerne für die Hardware-Nachrüstung in Anspruch nimmt, verzichtet in den meisten Fällen darauf, seine Ansprüche auf Schadensersatz im Abgasskandal geltend zu machen. Sprich, Hersteller wie Daimler wollen sich durch die Teilzahlung der Nachrüstung von den eigentlichen Schadensersatzansprüchen „freikaufen“. Vor dem Hintergrund, dass die Beseitigung ja erst durch Manipulationen des Herstellers notwendig wurde, sollte man hier seine Rechte klar im Blick behalten.

Prüfen Sie jetzt in unserem kostenfreien Online-Check, ob auch Ihr Wagen für eine Hardware-Nachrüstung in Frage kommt. Wir setzen uns dafür ein, dass Sie keinen Cent für die Nachrüstung zahlen müssen. Außerdem fordern wir für Sie einen Schadensersatz von 20 % des Kaufpreises.

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Das sollten Mercedes-Benz-Fahrer mit OM651-Motor im Abgasskandal jetzt tun

Angesichts des Betrugs von Daimler und dem Fakt, dass Sie mit Ihrem Mercedes-Diesel nun ein mangelhaftes Auto fahren, sollten Sie auf jeden Fall tätig werden. Darüber hinaus gehören Fahrzeuge von Daimler eindeutig zum Hochpreissegment, d.h. Wertverluste sind hier besonders drastisch. Mit uns haben Sie zwei Möglichkeiten, Ihre Rechte durchzusetzen:

1. Rückzahlung des Kaufpreises oder Neufahrzeug gegen Rückgabe des Altfahrzeugs

Wir empfehlen grundsätzlich diese Variante. Entscheiden Sie sich hierfür, dann fordern Sie die Rückzahlung des Kaufpreises gegen Rückgabe Ihres Fahrzeuges, abzüglich eines Nutzungswertersatzes für die von Ihnen gefahrenen Kilometer. Wenn es sich bei Ihrem Fahrzeug um einen Neuwagen handelt, fordern wir für Sie einen vergleichbaren Neuwagen, der die Emissionsgrenzwerte im Realbetrieb einhält. Aufgrund von drohenden Fahrverboten in einigen Gebieten Deutschlands und den erwähnten Wertverlusten raten wir Ihnen zur dieser Variante.

2. Auto behalten und Schadensersatz fordern

Die zweite Möglichkeit steht Ihnen offen, wenn Sie gerne Ihren Wagen behalten möchten. Dafür gibt es gute Gründe, und für mögliche Wertminderungen können Sie sich entschädigen lassen. Wählen Sie diese Variante, dann fordern Sie einen Schadensersatz in Höhe von ca. 20 % des damals gezahlten Kaufpreises als Einmalzahlung und lassen sich die Kosten für eine Hardware-Nachrüstung erstatten. Wir unterstützen Sie gerne dabei.

Prüfen Sie mit unserem kostenfreien Online-Check, ob auch Ihr Fahrzeug betroffen ist und wie hoch Ihr Anspruch ist.

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