Was ändert sich 2018?

Mit dem neuen Jahr kommen zahlreiche gesetzliche Änderungen auf den Verbraucher zu. Lesen Sie hier, was sich im Arbeitsrecht, Bankrecht und bei Versicherungen mit dem Jahr 2018 für Sie ändert und worauf Sie als Verbraucher besonders achten sollten.

Mit dem neuen Jahr kommen zahlreiche gesetzliche Änderungen auf den Verbraucher zu. Lesen Sie hier, was sich im Arbeitsrecht, Bankrecht und bei Versicherungen mit dem Jahr 2018 für Sie ändert und worauf Sie als Verbraucher besonders achten sollten.

Änderungen im Arbeitsrecht

Hier sind vor allem die Änderungen im Mutterschutz zu nennen. Einerseits wird der Kreis derjenigen Frauen ausgeweitet, die unter den besonderen Schutz fallen. Vom 1. Januar an kommen auch Schülerinnen, Studentinnen und Praktikantinnen in den Genuss der Regelungen des Mutterschutzes. Ebenso mit einbezogen werden Entwicklungshelferinnen und Frauen, die einen Bundesfreiwilligendienst leisten. Weiter ausgeklammert bleiben jedoch freiberuflich tätige Schwangere.

Ebenso wird in den Regelungen zum Mutterschutz mit Beginn des Jahres 2018 geregelt, dass Schwangere branchenunabhängig länger arbeiten dürfen. So zum Beispiel bis 22 Uhr und an Sonn- und Feiertagen. Allerdings darf die Schwangere in dieser Zeit nicht alleine arbeiten. Außerdem müssen für die Arbeit zwischen 20 und 22 Uhr sowohl die Schwangere, als auch ihr Arzt und die zuständige Aufsichtsbehörde zustimmen.

Änderungen im Bankrecht

Mifid II: Anleger müssen umfassender beraten werden

Der Kunde muss sowohl bei Anlageberatung als auch Anlagevermittlung darüber informiert werden, was die Anlage an Kosten mit sich bringt - zum Beispiel für die Verwaltung der Anlage - und wie sich diese Kosten auf die Rendite der Anlage auswirken. Mit dieser Maßnahme soll die Transparenz bei den Kosten erhöht werden. Darüber hinaus muss der Anlageberater dem Kunden erklären, warum ein spezielles Finanzprodukt für ihn zur Geldanlage geeignet ist. Dazu gehört explizit die Aufklärung über die Risiken einer Geldanlage. Das Verkaufsgespräch zwischen Anlageberater und Kunde muss nicht mehr dokumentiert werden, vielmehr muss die Empfehlung schriftlich begründet werden. Diese Begründung muss dem Anleger zur Verfügung gestellt werden. Auch telefonische Beratungen müssen als Audio-Datei gespeichert werden. Der Kunde soll mit diesen Auflagen besser geschützt und das Vertrauen in die Finanzwirtschaft gestärkt werden.

Haftungsgrenze bei Missbrauch sinkt

Gute Nachrichten für alle, die vom 13. Januar an ihre EC-Karte und danach durch Missbrauch der Karte Geld verlieren. Die Haftung bei Zahlungskartenmissbrauch wird auf 50 Euro beschränkt. Gleiches gilt für Fälle von Missbrauch beim Online-Banking oder bei Lastschriftverfahren. Auch hier muss der Kunde nur noch mit 50 Euro einstehen.

Kontozugriff für Drittanbieter

Da der Durchschnittsverbraucher immer mehr Geld im Internet ausgibt, muss auch der Zahlungsverkehr reformiert und Regeln ergänzt werden. Die Richtlinie hat auch einen Namen: PSD2. Die "Payment Service Directive" genannte Richtlinie regelt den Zugriff auf Ihr Konto durch Dritte. Was etwas abstrakt und unheimlich klingen mag, lässt sich einfach erklären: Wollen Sie als Kunde eine Kontoführungs-App nutzen, dann müssen Sie dem Betreiber der App, dem Dritten, den Zugang zu Ihren Kontodaten gewähren. Das sind die sogenannten Kontoinformationsdienste. Unter sogenannten Zahlungsauslösediensten, also zum Beispiel Apps, die man zur Geldüberweisung oder zur Verwaltung des eigenen Kontos nutzen kann, versteht man solche Dienstleister, die eine Zahlung für den Kunden abwickeln. Wenn Sie also im Internet etwas bestellen und danach bezahlen müssen, übernimmt der Zahlungsauslösedienst die Ausführung der Transaktion.

Zahlung mit Kreditkarte ohne Extragebühren

Dank Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 dürfen Händler, auch im Internet, keine zusätzlichen Gebühren mehr erheben, wenn der Kunde per Überweisung, Lastschrift oder Kreditkarte (VISA- oder MasterCard) zahlen möchte.

Online-Banking mit starker Authentifizierung

Ebenso regelt die Richtlinie PSD2, dass Kunden für Online-Banking künftig auf mehrere Arten beweisen müssen, dass sie berechtigt sind, auf ein Konto zuzugreifen und Transaktionen auszuführen. Will der Bankkunde also über das Internet seine Bankgeschäfte erledigen, dann muss er sich auf zwei unterschiedliche, voneinander unabhängige Arten authentifizieren. Das kann, neben den Kontodaten, durch eine TAN oder einen Fingerabdruck geschehen.

Änderungen im Versicherungsrecht

Im Versicherungsrecht ändern sich für den Verbraucher tatsächlich die meisten Dinge. Vieles betrifft die Altersversorgung - sei es über eine betriebliche Altersversorgung oder eine der staatlich geförderten Renten wie Riester oder Rürup. Lesen Sie hier, was sich im Versicherungsrecht 2018 für Sie ändert.

Restschuldversicherung und Widerrufsrecht

Häufig wird eine Restschuldversicherung bei Immobilienkrediten mitverkauft. Vielen Kunden ist das gar nicht bewusst. Daher muss bei Abschluss eines Kredits vom neuen Jahr an darauf hingewiesen werden, dass der Abschluss der Restschuldversicherung keine Bedingung für das Zustandekommen des Kreditvertrags ist und auch noch im Nachhinein abgeschlossen werden kann. Schließt der Kunde eine Restschuldversicherung ab, muss der Versicherer den Kunden eine Woche nach Vertragsunterzeichnung noch einmal in Textform über sein Widerrufsrecht informieren

Zulage bei Riesterrente steigt

Die Grundzulage bei Riesterrenten steigt von 154 Euro auf 175 Euro. Unberührt bleibt die Kinderzulage. Sie beträgt weiterhin 300 Euro für Kinder, die ab 1. Januar 2008 geboren wurden. Für alle vor diesem Datum geborenen Kinder gibt es wie bisher 185 Euro.

Grundfreibetrag bei Basis- und Riesterrenten wird eingeführt

Bisher wurden Basis- und Riesterrenten voll auf die Grundsicherung angerechnet. Vom 1. Januar 2018 gilt die neue Regelung, die einen Grundfreibetrag von 100 Euro pro Monat vorsieht. Darüber hinausgehende Beträge bleiben zu 30 Prozent anrechnungsfrei. Dieser Freibetrag ist allerdings gedeckelt: Er darf nicht höher sein als 50 Prozent der Regelbedarfsstufe 1. Im Jahr 2018 entspricht das einem Betrag von 208 Euro. Von dieser Regelung profitieren auch Renten aus einer betrieblichen Altersversorgung.

Betriebliche Altersversorgung wird gefördert

Der Staat fördert Arbeitnehmer mit einem Jahreseinkommen von bis zu 26.400 Euro bei der betrieblichen Altersversorgung. Zahlt der Arbeitgeber zusätzlich zum Lohn 240 Euro im Jahr zu einer betrieblichen Altersvorsorge (Pensionsfonds, Pensionskasse oder eine Direktversicherung), erhält er - auch als Anreiz - eine steuerliche Förderung seines Arbeitgeberzuschusses in Höhe von 30%, höchstens jedoch 144,00 Euro.

Arbeitgeber muss nicht mehr für betriebliche Altersversorgung haften

Wermutstropfen für die Arbeitnehmer in Sachen betriebliche Altersversorgung: Der Arbeitgeber kann es bei reinen Beitragszusagen belassen. Die betriebliche Altersversorgung muss nicht mehr zwingend mit einer garantierten Leistung verbunden sein, für die der Arbeitgeber haftet. Dieser Garantieverzicht muss aber von beiden Seiten und mithilfe der entsprechenden Tarifvertragspartei einvernehmlich beschlossen werden - das sogenannte Sozialpartnermodell.

Mehr Basisrente (Rürup-Rente) als Sonderausgaben geltend machen

Der Anteil der Basisrente, die in der Steuererklärung als Sonderausgabe geltend gemacht werden kann, wird erhöht. Künftig sind 86 Prozent der eingezahlten Beiträge als Sonderausgabe abzugsfähig. Bisher waren es nur 84 Prozent. Außerdem steigt der steuerliche Höchstbetrag zur Rürup-Rente von 23.362 Euro auf 23.712 Euro. Das bedeutet, dass für eine Einzelperson maximal 20.393 Euro als Sonderausgaben abzugsfähig sind, nämlich 86 Prozent von 23.712 Euro. Für Verheiratete steigt der Betrag auf maximal auf 47.424 Euro.

Neue Steuern auf Investmentfonds

Was zunächst wie ein reines Bankenproblem aussieht, betrifft dagegen viele Verbraucher. Zumal, wenn sie eine fondgebundene Lebensversicherung besitzen. Vom 1.Januar an müssen in- und ausländische Fonds Steuern auf bestimmte Erträge zahlen. 15 Prozent müssen demnächst gezahlt werden. Leichtes Aufatmen liefert der Gesetzgeber aber gleich mit: Für die Inhaber einer fondsgebundenen Lebensversicherung gibt es eine Steuerbefreiung in gleicher Höhe. Allerdings nur auf Erträge aus den Fondsanlagen. Weiterhin bestehen bleibt die Steuerfreiheit bei fondsgebundenen Lebensversicherungen, die vor 2005 abgeschlossen wurden.

Mehr Informationen für Versicherungskunden

Wollen Sie eine Versicherung im Jahr 2018 abschließen, so erfahren Sie auch mehr über den Menschen, der Ihnen die Versicherung verkauft. Jeder, der Versicherungsverträge verkauft, muss Ihnen sagen, für wen er arbeitet, wie er für den Abschluss der Versicherung bezahlt wird und auch wer dieses Honorar oder die Provision bezahlt.

Ebenso soll es für Versicherungsmakler einen neuen Verhaltenskodex geben. Eigentlich hatten wir schon immer gehofft, dass uns der Versicherungsvertreter ehrlich und nach bestem Wissen und Gewissen und unserer Situation angemessen berät. Offensichtlich war das nicht immer so, denn nun wird in eine Regel gegossen, was die meisten schon immer für selbstverständlich hielten. Die Entlohnung eines Versicherungsvermittlers soll nicht darauf hinwirken, dass ein bestimmtes Produkt verkauft wird, wenn es eine andere Versicherung gibt, mit der dem Kunden besser gedient wäre. Ziel ist also, sicher zu stellen, dass der Kunde die für ihn passendste Versicherung auch angeboten bekommt.

Ebenso müssen die Informationsblätter der Versicherungsunternehmen kundenfreundlicher werden. Vor allem bei Versicherungsanlageprodukten muss das Unternehmen auf maximal drei Din-A-4-Seiten erläutern, wie die Anlagestrategie aussieht, welche Leistungen die Versicherung umfasst, welche Kosten dem Versicherungsnehmer entstehen und welche Risiken sich in der Anlageform verstecken. In unterschiedlichen Szenarien muss der Anbieter aufzeigen, wie viel dem Versicherten von seinen eigezahlten Beiträgen später bleibt.

Halten Sie also schon mal die Lupe bereit und machen Sie sich auf eine kleine Schriftgröße gefasst!

Denn auch die Unfall- und Haftpflichtversicherer müssen in Zukunft auf zwei Din-A-4-Seiten, in Ausnahmen werden auch drei gestattet sein, mitteilen, welche Leistungen die Versicherung umfasst und vor allem, welche explizit nicht abgedeckt sind. Der Versicherungsbeginn und das -ende müssen klar genannt werden und auch, auf welche Länder sich Ihr Versicherungsschutz erstreckt. Gerade bei Unfall- und Kfz-Policen ist der letzte Punkt interessant.

Mehr Erwerbsminderungsrente

Menschen, die nicht mehr arbeiten können, also berufsunfähig sind, und eine staatliche Erwerbsminderungsrente beziehen, können sich über eine Erhöhung freuen. Für die Berechnung der Rente wurde bisher angenommen, derjenige hätte bis zu seinem 62. Lebensjahr gearbeitet. Nun wird diese Berechnung stufenweise auf 64 Jahre angehoben. Der ganze Prozess wird bis zum Jahr 2024 dauern.