Mehr Flexibilität und kein Pendeln. Arbeiten im Homeoffice ist bequem. Doch die Vermischung von Arbeit und Privatem birgt auch Gefahren – z.B. ständige Bereitschaft und Verfügbarkeit. Die EU will daher ein Recht auf Nichterreichbarkeit im Homeoffice einführen. Was bedeutet das für Arbeitnehmer:innen?

Mehr Arbeits­schutz durch Recht auf Nichterreich­barkeit

Das Europäische Parlament hat einen Gesetzesentwurf vorgelegt, welcher das Recht von Arbeitnehmer:innen auf Nichterreichbarkeit im Homeoffice regeln soll. „Nichterreichbarkeit” heißt dabei, dass außerhalb der Arbeitszeiten weder direkt noch indirekt arbeitsbezogene Tätigkeiten ausgeübt werden dürfen oder arbeitsbezogen kommuniziert werden kann.

Das Parlament sieht darin ein Grundrecht, das aufgrund der Anforderungen digitaler Arbeit von wachsender Bedeutung ist. Der Schutz dieses Rechts stellt einen wichtigen Bestandteil der Sicherheit am Arbeitsplatz sowie der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben dar.

Die Gesetzesinitiative will an zwei Stellen ansetzen: Einerseits sollen Arbeitnehmer:innen die notwendigen Mittel erhalten, um ihr Recht auf Nichterreichbarkeit wahrnehmen zu können und sich bei Verletzung des Rechts – ohne Angst vor Nachteilen – wehren zu können. Wie sich das konkret gestalten wird, ist noch in der Ausarbeitung.

Andererseits soll ein System umgesetzt werden, mit der Arbeitszeit auf zuverlässige, objektive und zugängliche Weise aufgezeichnet wird. Die EU-Kommission ist nun angehalten, eine entsprechende Richtlinie vorzulegen, in der Mindeststandards sowie psychosoziale Maßnahmen zum Schutze des Rechts festgelegt sind.

Entgegen der Kultur ständiger Verfüg­barkeit

Ein Grund für den Gesetzesvorstoß liegt in den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Während 2015 lediglich ein Fünftel aller Arbeitnehmer:innen in der EU in einer Form der Telearbeit arbeiteten, stieg die Zahl durch die Corona-Pandemie erheblich. Einer Umfrage von Eurofound zufolge waren es im Juli 2020 fast die Hälfte der Befragten, die zumindest teilweise im Homeoffice arbeiteten, während ein Drittel bereits vollständig mobil arbeitete.

Darüber hinaus soll mit dem Recht die Tatsache berücksichtigt werden, dass die Nutzung digitaler Geräte über einen langen Zeitraum auch gesundheitliche Folgen hat, so wie Konzentrationsnachlass oder Erkrankungen des Bewegungsapparats. Auch können die verschwimmenden Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit zu Problemen wie Schlafmangel, emotionaler Erschöpfung oder Burn-out beitragen.

Diese Probleme bei der Einhaltung von Arbeitszeiten zeigten sich auch in einer Studie von Eurofound: 27 % der zu Hause tätigen Arbeitnehmer:innen gaben an, auch in ihrer Freizeit zu arbeiten, um Anforderungen im Job gerecht zu werden.

Die richtige Einhaltung von Arbeitszeiten ist ein wichtiger Bestandteil der Gesundheit am Arbeitsplatz – ob im Homeoffice oder im Büro. Wenn Sie Probleme in Bezug auf Ihre Arbeitszeiten haben, können Sie Ihre Fragen mit unseren Expert:innen in einer individuellen Erstberatung für 190 Euro (inkl. MwSt.) besprechen.

Bequem vom Sofa aus: Erstberatung im Arbeitsrecht anfordern!

Unser Angebot

  • Erstberatung im Arbeitsrecht für 190 Euro

    Wie lange ist meine Kündigungsfrist? Was ändert sich für mich nach der Rückkehr aus der Elternzeit? Was muss ich bei einer Versetzung beachten? Diese und weitere Fragen beantworten unsere Anwälte Ihnen im Rahmen einer Erstberatung. So lassen sich Missverständnisse klären und kostspielige Rechtsstreits vermeiden.

    weitere Informationen