Die Skandale im Hinblick auf die Autoindustrie reißen nicht ab. Nun räumte die VW-Tochter Porsche ein, dass möglicherweise die Herstellerangaben von den eigentlichen Verbrauchswerten abweichen und erstattete beim Kraftfahrt-Bundesamt Selbstanzeige. Zunächst muss genau geprüft werden, wie groß diese Abweichungen tatsächlich sind und inwiefern sie zu Lasten der Verbraucher gehen. Feststeht, dass Abweichungen von Herstellerangaben schlussendlich dazu führen, dass der Käufer den Kaufpreis zurückfordern kann.

Falscher Wert für Luftwiderstand verwendet

Konkret geht es bei der Selbstanzeige darum, dass es anscheinend Abweichungen bei den Luftwiderstandswerten gibt, die zur korrekten Berechnung des Spritverbrauches notwendig sind. Denn grundsätzlich gilt: Je niedriger der Luftwiderstand, desto niedriger der Kraftstoffverbrauch. Wenn der Windwiderstand zu niedrig berechnet wird, verbraucht das Fahrzeug auf der Straße mehr Kraftstoff als angegeben. Was schlussendlich einen höheren Schadstoffaustoß und einen höheren Benzinverbrauch für den Käufer bedeutet.

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" fragte aufgrund der Selbstanzeige bei der VW-Tochter nach und erhielt diesbezüglich folgende Stellungnahme:

Porsche hat bei internen Untersuchungen Themen im Zusammenhang mit einzelnen, sogenannten Ausrolltests festgestellt. Diese Tests werden angewandt, um fahrzeugspezifische Werte für Rollenprüfstandstests zu ermitteln. Im konkreten Fall geht es um Abweichungen bei der Ermittlung von Windwiderstandswerten und entsprechende Berichte, die den zuständigen Behörden übermittelt wurden.

Diese Erkenntnis wurde laut Porsche direkt an das KBA und an die US-Behörden weitergegeben. Über das Ausmaß dieser Abweichungen muss man sich jedoch noch klar werden. Zunächst stehen weitere Test an, um den Sachverhalt weiter untersuchen zu können. Dazu heißt es weiter in der Unternehmensmitteilung:

Der Sachverhalt wird derzeit noch untersucht, doch Porsche sieht es als Selbstverständlichkeit und Ausdruck seiner Firmenkultur an, die zuständigen Behörden aktiv zu informieren. Das Unternehmen setzt die internen Untersuchungen in enger Abstimmung mit den Behörden fort.

Welche Fahrzeuge sind betroffen?

Laut Medienberichten wurden falsche Verbrauchsangaben beim Sportwagen Modell 911 gemacht. Konkret sollen dabei die Baujahre 2016 und 2017 betroffen sein. Das Modell aus dem Jahr 2018 ist anscheinend nicht betroffen.

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Der BGH legt fest: 10 Prozent Abweichung sind zu viel

Der Bundesgerichtshof, Deutschlands oberstes Gericht, hat bereits festgestellt, dass ein Verbrauch von mehr als 10 Prozent über den eigentlichen Herstellerangaben bei einem Neuwagen einen erheblichen Mangel darstellt (Az.: VIII ZR 52/96 und Az.: VIII ZR 19/05). Im äußersten Fall kann ein erheblicher Mangel auch dazu führen, dass dem Kunden der Rücktritt vom Kaufvertrag möglich gemacht wird. Was im Klartext bedeutet, dass der Käufer sein Fahrzeug zurückgeben kann und im Gegenzug den kompletten Kaufpreis erstattet bekommt. Von diesem Kaufpreis muss in der Regel lediglich ein Betrag für die Nutzung des Fahrzeuges abgezogen werden.

Porsche-Fahrer müssen sich an dieser Stelle jedoch keine Sorgen machen, dass bei Überschreitung der 10-Prozent-Schwelle das Fahrzeug zwangsmäßig abgegeben werden muss. Selbstverständlich besteht auch hier die Möglichkeit, das Fahrzeug zu behalten und lediglich eine Kaufpreisminderung zu fordern. Unsere Anwälte sind außerdem der Meinung, dass dem Betroffenen womöglich auch ein Schadensersatzanspruch wegen erhöhten Benzinverbrauchs zusteht.

Kaufpreisminderung auch unter der 10-Prozent-Schwelle möglich

Obwohl der BGH die 10 Prozent in seinem Urteil angesetzt hat, ist die Rückerstattung eines Teils des Kaufpreises laut unserer Experten auch schon unterhalb der 10-Prozent-Schwelle möglich. Zwar ist in diesem Fall mehr als fraglich, ob der komplette Kaufpreis zurückgefordert werden kann, jedoch kann auch eine Kaufpreisminderung tausende Euros mehr einbringen.

Abweichungen bedeuten Mehrkosten für den Verbraucher

Ein unerwarteter Mehrverbrauch kann dem Kunden am Ende teuer zu stehen kommen. Laut dem International Council on Clean Transporation (ICCT) muss ein durchschnittlicher Autobesitzer jährlich etwa 400 Euro mehr Kraftstoffkosten aufbringen, als die Herstellerangaben zunächst vermuten lassen.

Die Mehrkosten durch einen Mehrverbrauch sind nicht unerheblich. Wir beraten Sie hinsichtlich Ihrer Möglichkeiten und Chancen, um Ansprüche gegenüber Porsche geltend zu machen.

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Abweichungen haben nichts mit „Schummel-Software“ zu tun

Porsche gab an, dass die festgestellten Abweichungen in keinerlei Zusammenhang mit einer sogenannten „Schummel-Software“ stehen, mit der Abgasswerte manipuliert werden können.

Wir erinnern uns: Der VW-Konzern geriet im Jahr 2015 ins Kreuzfeuer, nachdem bekannt wurde, dass illegale Abschalteinrichtungen in der Motorsteuerung verbaut wurden. Dadurch konnten niedrigere Abgasswerte auf dem Prüfstand vorgegaukelt werden. Erst im Normalbetrieb wurden die Abweichungen erkennbar. Auch vom Abgasskandal betroffen - Porsche Fahrzeuge mit 3er und 4.2er Motoren.

Selbstanzeige kommt Schuldanerkenntnis gleich

Fraglich ist, inwiefern die Selbstanzeige dem Verbraucher zu gute kommt. Offensichtlich hat sich Porsche nicht ohne triftigen Grund selbst angezeigt hat. Was genau hinter der Selbstanzeige steckt, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nur erahnen. Zunächst muss durch bevorstehende Messungen geprüft werden, wie sehr die Abweichungen von den Herstellerangaben zu Lasten des Käufers gehen.

Wenn die Messungen jedoch ergeben, dass Porsche Fehler gemacht hat, stellt diese Tatsache auch eine Beweiserleichterung für die Verbraucher dar. Dies kann schließlich dazu führen. dass der Geschädigte bei der Durchsetzung seiner Rechte nicht mehr nachweisen muss, dass die Herstellerangaben in einem bestimmten Maße von den eigentlichen Verbrauchswerte abweichen.

Unser Rechtsanwalt Philipp Caba, führte hinsichtlich der Stellungnahme von Porsche weiter aus:

Die Selbstanzeige mit der Firmenkultur in Verbindung zu bringen, hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack. Schließlich wurde auch bei Porsche gemogelt und manipulierte Software verbaut - das sollte man an dieser Stelle nicht vergessen. Daher fällt es schwer zu glauben, dass die Selbstanzeige nur dazu dient, offen und transparent dem Kunden gegenüber zu sein. Es wird sich zunächst zeigen müssen, wie groß die Abweichungen tatsächlich sind. Wichtig an dieser Stelle ist jedoch, dass den Verbrauchern durch ein Eingeständnis der Weg zum Schadensersatz geebnet wird.

Jetzt handeln: Rückerstattung des Kaufpreises fordern!

Feststeht, wenn die Verbrauchswerte tatsächlich von den Herstellerangaben abweichen, haben Autokäufer grundsätzlich Anspruch auf Rückerstattung des Kaufpreises. Ob nun Anspruch auf den kompletten Kaufpreis oder nur einen Teil davon besteht, muss am Individualfall festgemacht werden.

Wie hoch die Abweichungen beim 911-Modell tatsächlich sind und inwiefern der Käufer davon betroffen ist, wird sich noch herausstellen. Wenn die Messungen jedoch den Verdacht bestätigen, sollten betroffene Porsche-Fahrer keine Zeit verlieren und möglichst schnell ihre Ansprüche geltend machen. Denn ab Übergabe des Fahrzeuges hat man grundsätzlich zwei Jahre Gewährleistungsfrist gegenüber dem Autohändler, es sei denn dieser hat den Mangel arglistig verschwiegen..

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Ihr Ansprechpartner ist Christian Meeser: