Negativzinsen auf Girokonten – muss man das hinnehmen?

Negativzinsen auf Girokonten – muss man das hinnehmen?

Immer häufiger verlangen Banken Negativzinsen für Giro- oder Tageskonten. Auch schrumpfen die Freibeträge, bis zu denen Verbraucher:innen ihr Geld ohne Strafzinsen anlegen können. Warum Banken diese Negativzinsen verlangen und wie man sich als Kund:in dagegen wehren kann, lesen Sie hier.

Immer häufiger verlangen Banken Negativzinsen für Giro- oder Tageskonten. Auch schrumpfen die Freibeträge, bis zu denen Verbraucher:innen ihr Geld ohne Strafzinsen anlegen können. Warum Banken diese Negativzinsen verlangen und wie man sich als Kund:in dagegen wehren kann, lesen Sie hier.

Negativ­zinsen auch für Otto-­Normal-­Sparer:innen

Allein seit Anfang des Jahres 2021 haben rund 220 Banken und Sparkassen Negativzinsen auf das Guthaben von Privatkunden eingeführt. Dies ergab eine Analyse des Onlineportals „biallo.de“. Damit verlangen insgesamt fast 500 Banken inzwischen Negativzinsen – die von den Kreditinstituten auch gerne als „Verwahrentgelt“ bezeichnet werden. Die Höhe der Zinsen beläuft sich in den meisten Fällen auf 0,5 % pro Jahr.

Eine weitere Entwicklung hier sind die Freibeträge, die zunehmend abgesenkt werden. Bis vor einigen Jahren spielten Negativzinsen erst ab mehreren hunderttausend oder Millionen Euro auf dem Konto eine Rolle. Das ändert sich nun. Bei den meisten Banken liegen die Freibeträge zwischen 50.000 und 100.000 Euro. Damit betrifft das Thema nicht mehr nur Großverdiener:innen, sondern auch durchschnittliche Kontoinhaber:innen. Einige Banken gewähren sogar nur noch Freibeträge von 10.000 Euro, bei manchen zahlt man bereits ab dem ersten Euro.

Viele Sparer:innen wissen allerdings gar nicht, dass sie Negativzinsen zahlen. In der Vergangenheit haben Banken die „Verwahrentgelte“ oft einfach eingeführt und Kund:innen lediglich darüber informiert. Diese sogenannte „fiktive Zustimmung“ ist allerdings nicht zulässig, urteilte der Bundesgerichtshof (BGH) Ende April 2021. Für die Einführung von Negativzinsen muss die Bank Ihre explizite Zustimmung einholen. Die Folge des BGH-Urteils ist, dass Sie sich die gezahlten Zinsen ggf. zurückholen können.

Keine Lust, Ihrer Bank unnötig Geld zu überlassen? Oder Sie haben kürzlich ein Schreiben Ihrer Bank erhalten und wollen nicht zahlen? Dann lassen Sie jetzt in unserem kostenfreien Online-Check überprüfen, ob Sie die gezahlten Zinsen zurückholen oder vermeiden können.

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Schreiben von der Bank erhalten – was tun?

Bei der enormen Anzahl an Banken und Sparkassen, die Negativzinsen verlangen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch Sie bereits Zinsen zahlen. Außerdem ziehen viele Banken nach – zahlreiche Bankkund:innen erhalten momentan Schreiben von ihrer Bank. Grund dafür ist das BGH-Urteil, das eine Erhöhung oder Einführung von Gebühren mittels „schweigender Zustimmung” verhindert.

Was können Sparer:innen in diesem Fall tun? Haben Sie ein Schreiben von Ihrer Bank erhalten, sollten Sie sich vor der Unterschrift zunächst an uns wenden. Wir überprüfen, ob sich z.B. in einer Feststellungsklage vorsorglich die Unwirksamkeit der Klausel feststellen lässt. Damit könnten Sie die Negativzinsen vermeiden. Wir empfehlen Ihnen, Ihrer Bank die Zustimmung nicht zu erteilen und sich zuerst kostenlos beraten zu lassen.

Wenn Sie allerdings schon länger Negativzinsen zahlen und dem nie explizit zugestimmt haben, prüfen wir, ob eine Rückforderung der gezahlten Zinsen infrage kommt. Und auch wenn Sie das Schreiben Ihrer Bank kürzlich erst unterschrieben haben, sollten Sie sich an uns wenden. Wir prüfen gerne kostenfrei und unverbindlich Ihren Fall.

Hier ist eine Übersicht einiger Banken, die Negativzinsen verlangen, sowie die entsprechenden Freibeträge:

Bankinstitut

Negativzins / Verwahrentgelt p. a.

Freibetrag

ING

Seit Februar 2021: für Neukund:innen 0,5 %, für Bestandskund:innen keine

bis 100.000 Euro

Ab November 2021: Freibetrag nur bis 50.000 Euro – gilt dann auch für Bestandskund:innen

Postbank

0,5 % (bislang nicht für Bestandskund:innen)

Girokonten 50.000, Tagesgeldkonten 25.000 Euro

Deutsche Bank

0,5 %

100.000 Euro

Commerzbank

0,5 %

(Ab August 2021 für Neukund:innen, für Bestandskund:innen, die nach dem 01. Juli 2020 ihr Konto eröffnet haben)

50.000 Euro

DKB

0,5 %

100.000 Euro

Kreissparkasse Göppingen

0,5 %

10.000 Euro bei Online-Kontoabschlüssen

Sparkasse Bamberg

0,6 %

25.000 Euro (für Neukund:innen)

Ihre Bank schenkt Ihnen nichts, Sie sollten ihr daher auch keine unnötigen Beiträge überlassen. Wir überprüfen kostenfrei und unverbindlich in unserem Online-Check, ob sich die Negativzinsen in Ihrem Fall zurückholen oder vermeiden lassen.

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Verbraucher­zentrale klagt gegen fünf Banken

Mit den schrumpfenden Freibeträgen werden die Negativzinsen auch für Normalsparer:innen zum Ärgernis. Doch muss man sie in jedem Fall akzeptieren? Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) möchte die Frage gerichtlich klären lassen und hat fünf Klagen gegen verschiedene Kreditinstitute eingereicht.

Die Kreditinstitute gehen davon aus, dass sie die Negativzinsen erheben dürfen. Die Voraussetzung dafür ist aber mindestens die explizite Einwilligung von ihren Bestandskund:innen zur Änderung der Allgemeinen Geschäfsbedingungen (AGB). Hat Ihre Bank Sie lediglich über eine Änderung der AGB informiert und Ihr Schweigen als Zustimmung zu den Negativzinsen gewertet, können Sie gegen die Zinsen vorgehen und sich diese auch rückwirkend zurückholen.

Doch der vzbv kritisiert nicht nur die Art und Weise, in der die Banken und Sparkassen versuchen, die Negativzinsen einzuführen. Der Verband hält die Negativzinsen grundsätzlich für unzulässig. Der Gesetzgeber sehe nur bei Zahlungsdiensten eine Bepreisung vor. Eine Verwahrung von Einlagen gehöre dem Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz zufolge nicht zu den Zahlungsdiensten.

Warum verlangen Banken Negativ­zinsen?

Die Welle von Negativzinsen hängt damit zusammen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) seit Juni 2014 für Einlagen negative Zinsen verlangt. Wenn eine Bank oder Sparkasse also kurzfristig Geld bei der EZB verwahren möchte, muss sie selber Negativzinsen zahlen. Das kommt dann vor, wenn Banken überschüssige Liquidität haben, also wenn sie die Einlagen ihrer Kund:innen nicht vollständig selbst nutzen können – wie bei der Vergabe von Krediten.

Eine zu große Menge an Kundenspareinlagen zu haben, widerspricht den Interessen der Banken. Daher erheben immer mehr Institute Strafzinsen auf Giro- und Tagesgeldkonten. Noch ist aber eben unklar, ob die Banken dies überhaupt tun dürfen. Die Frage wird sich aufgrund der Klagen des vzbv bald klären.