Die Lebensmittel-Ampel kommt. Sie soll Verbrauchern mittels „Nutri-Score” helfen, im Supermarkt gesunde Lebensmittel schnell und einfach zu erkennen. Wie das funktionieren soll und was Unternehmen dazu sagen, erfahren Sie hier im Artikel.

„Nutri-Score ist eine Verbraucherfalle”

Nach langem Ringen seitens der Bundesministerin für Ernährung steht nun fest: Die Lebensmittel-Ampel „Nutri-Score” zur Nährwertkennzeichnung wird auch in Deutschland eingeführt. Mittels einer Skala von A (dunkelgrün) bis E (dunkelrot) sollen sich Verbraucher im Supermarkt leichter bei ihrem Einkauf orientieren. Der Score zeigt an, ob ein Lebensmittel für den alltäglichen Verzehr besser oder schlechter geeignet ist.

Die Lebensmittelindustrie zeigt sich skeptisch und ablehnend gegenüber dem Vorstoß, wie die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker verlauten ließ: „Der Nutri-Score ist eine Verbraucherfalle.” Doch die Ablehnung ist – wenig überraschend – darauf zurückzuführen, dass verarbeitete und zuckerreiche Lebensmittel eher schlechter abschneiden. Die Produkte bekämen dementsprechend schlechtere Bewertungen, was sich wiederum auf das Verhalten der Verbraucher auswirkt, die vom Kauf abgeschreckt würden. Ein wirkliches Problem ergibt sich für die Industrie aber bisher nicht. Der größte Haken nämlich: Die Lebensmittel-Ampel ist rechtlich nicht verbindlich.

Einig sind sich aber sowohl Verbraucherschützer als auch Ministerium, dass der Nutri-Score nur eine erste Orientierung dafür bietet, sich gesund zu ernähren. Studien in Frankreich und Großbritannien, in denen es bereits einen ähnlichen Score gibt, zeigen allerdings leicht positive Effekte auf gesunde Ernährung. Außerdem bestärken die Studien die Wahl einer Lebensmittel-Ampel als leicht verständlich und umsetzbar für Verbraucher.

Gute Ernährung endlich ganz einfach?

Hat ein Lebensmittel eine Bewertung im grünen Spektrum, wie A oder B, bedeutet das, es ist nahrhaft und kann regelmäßig auf den Speiseplan. Dazu gehören beispielsweise Obst, Gemüse, Nüsse, Ballaststoffe und Proteine. Schlechter schneiden Lebensmittel ab, die viel Zucker oder gesättigte Fettsäuren enthalten und sollten daher nur seltener gekauft werden. Direkt sagt der Score also nichts darüber aus, ob ein Lebensmittel gesund ist oder nicht. Der Score gibt lediglich den Nährwert an und bietet so eine Empfehlung zur Häufigkeit des Verzehrs.

So kommt der Nutri-Score zustande: Bei jedem Lebensmittel werden die jeweiligen Inhaltsstoffe analysiert und als nahrhaft oder nicht nahrhaft eingestuft. Auf Basis von 100 Gramm oder 100 Millilitern werden dann die Anteile der Inhaltsstoffe am Lebensmittel bewertet. Für die negativen Inhaltsstoffe werden Pluspunkte vergeben – bis zu 40 insgesamt. Diese sind in vier Kategorien unterteilt: Gesamtenergiegehalt in Kalorien, Zucker- und Natriumgehalt sowie gesättigte Fettsäuren.

Für die nahrhaften Stoffe werden Minuspunkte verteilt, bestenfalls -15. Die drei Kategorien sind hier Ballaststoff-, Eiweißgehalt und Anteil an Obst, Gemüse und Nüssen. Minus- und Pluspunkte werden anschließend miteinander verrechnet und einem Buchstaben der Skala A bis E zugeordnet. Dabei werden Getränke strenger als Lebensmittel beurteilt. Wasser erhält als einziges Getränk grundsätzlich die Bewertung A und keine Punktzahl. Nicht zu den Getränken zählen Milch und Milchprodukte.

Lebensmittel

Getränke

-15 bis -1: A

Wasser: A

0 bis 2: B

-15 bis 1: B

3 bis 10: C

2 bis 5: C

11 bis 18: D

6 bis 9: D

19 und mehr: E

10 und mehr: E

Der Nutri-Score ist also ein erster Schritt auf dem Weg zu gesunder Ernährung, der für Verbraucher leicht verständlich ist und den auch Verbraucherschützer für sinnvoll halten. Allerdings ist zu bemängeln, dass die Lebensmittel-Ampel für Unternehmen nicht verpflichtend ist. Auch bleiben andere Probleme, die gesunder Ernährung im Wege stehen, davon unberührt. So ist ungesundes Essen nach wie vor oft zu günstig – gesundes Essen entsprechend teuer.