Die 5 häufigsten Mythen im Verkehrsrecht

Die 5 häufigsten Mythen im Verkehrsrecht

Mit Flip Flops im Auto bei einem konstanten Tempo von 100 km/h immer schön auf der Mittelspur? Sie meinen das verstößt gegen die Verkehrsordnungen? Diese und vier weitere Verkehrsrechts-Mythen finden Sie hier.

Mit Flip Flops im Auto bei einem konstanten Tempo von 100 km/h immer schön auf der Mittelspur? Sie meinen, das verstößt gegen die Verkehrsordnungen? Diese und vier weitere Verkehrsrechts-Mythen finden Sie hier.

1. Auf der Autobahn muss man mind. 60 km/h fahren

Auf der Autobahn herrscht meist ein schnelles Durchschnittstempo. Vermutlich entspringt daher auch die Annahme, dass dort eine Mindestgeschwindigkeit von 60 km/h gilt. Das stimmt so jedoch nicht. Der Mythos geht auf § 18 Abs. 1 Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) zurück, in dem es heißt:

Autobahnen (Zeichen 330.1) und Kraftfahrstraßen (Zeichen 331.1) dürfen nur mit Kraftfahrzeugen benutzt werden, deren durch die Bauart bestimmte Höchstgeschwindigkeit mehr als 60 km/h beträgt […].

§ 18 Absatz 1 StVO

Zugelassen sind also nur Fahrzeuge, die die Mindestgeschwindigkeit von 61 km/h bauartbedingt erreichen können. Es ist jedoch vollkommen egal, ob sie diese Geschwindigkeit unterschreiten oder nicht, denn so etwas wie eine Mindestgeschwindigkeit gibt es auf Autobahnen nicht. Allerdings bedeutet das nicht, man kann so langsam fahren, wie man möchte. Im Einzelfall kann ein zu langsames Fahren auf einer Autobahn oder Kraftfahrstraße zum Verstoß gegen § 3 Abs. 2 StVO führen: Ohne triftigen Grund dürfen Kraftfahrzeuge nicht so langsam fahren, dass sie den Verkehrsfluss behindern.

2. Führerscheinentzug kann auch betrunkene Fußgänger treffen

Nicht nur Radfahrern, sondern auch Fußgängern kann der Führerschein entzogen werden, wenn diese betrunken unterwegs und auffällig sind.

Das Verwaltungsgericht Frankfurt am Main entschied: Ein Fußgänger, der regelmäßig betrunken ist, würde nach übermäßigem Alkoholkonsum unter Umständen auch versuchen, Auto zu fahren.

In dem zugrunde liegenden Fall hatte die Polizei einen Mann mit 3,0 Promille in Gewahrsam genommen, da er auf einem Fest anfing zu randalieren. Der Führerschein wurde ihm erst entzogen, nachdem er sich weigerte, ein medizinisch-psychologisches Gutachten vorzulegen.

3. Mit Flip Flops darf man nicht Auto fahren!

Im Sommer ist manchmal jedes Kleidungsstück zu viel. Wäre es da nicht toll, in Flip Flops oder sogar barfuß Auto zu fahren? Aber das ist doch sicherlich nicht erlaubt, oder?

Doch, es ist erlaubt. Es gibt keine Regelung, die Angaben zu einem bestimmten Schuhwerk beim Autofahren macht. High Heels, Socken, barfuß oder eben Flip Flops – alles ist erlaubt.

Aber Achtung: Das gilt nur, solange kein Unfall verursacht wird. Stellt nämlich dann ein Gericht fest, dass das unzureichende Schuhwerk einen Einfluss auf den Unfall hatte, gilt das als Verletzung der Sorgfaltspflicht und kann eine strafrechtliche Verfolgung nach sich ziehen.

4. In Park­häusern gilt die StVO

Auf vielen Parkplätzen und in Parkhäusern liest man das Schild „Hier gilt die StVO“. Das ist grundsätzlich auch richtig, die StVO gilt schließlich auf allen Straßen und Plätzen, auf denen öffentlicher Verkehr stattfindet. Man unterscheidet aber zwischen fließendem und ruhenden Verkehr. Parkplätze und Parkhäuser zählen zu Letzterem. Hier gilt vor allem der § 1 StVO, der Vorsicht und gegenseitige Rücksicht fordert.

Gilt im Parkhaus trotzdem „rechts vor links“? Nein. Solche Verkehrsregelungen gelten lediglich auf Straßen. Die Fahrspuren im Parkhaus sind lediglich Spuren zur Suche von Abstellplätzen. Wer also von rechts kommt und dadurch einen Unfall verursacht, hat die gegenseitige Rücksicht missachtet und muss damit rechnen, eine Teilschuld zugesprochen zu bekommen.

5. Wer auffährt, ist immer Schuld

Das stimmt so nicht. Schuld ist derjenige, der maßgeblich den Auffahrunfall zu verantworten hat.

Wenn ein/e Autofahrer:in den Abstand zum nächsten Auto durch zu enges Einfädeln zu stark verkürzt, defekte Bremsleuchten hat oder unvermittelt bremst, kann ihn/sie mindestens eine Teilschuld oder sogar die volle Schuld treffen.

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Bonus: Mit Handy geblitzt = doppelte Strafe?

Telefonieren Sie beim Autofahren mit Oma, um zu klären, was es leckeres zum Mittagessen gibt und werden dabei geblitzt, ist das nicht nur sehr ärgerlich, sondern vermutlich auch sehr teuer, denn immerhin haben Sie zwei Ordnungswidrigkeiten auf einmal begangen.

Das Zauberwort lautet in diesem Fall: „auf einmal“. Denn da Sie zur selben Zeit, am selben Ort mehrere Ordnungswidrigkeiten begangen haben, handelt es sich lediglich um eine Tateinheit. Und die wird laut Gesetzgebung so geahndet, dass Sie zwar das höhere Bußgeld in Gänze zahlen müssen, das zweite dafür jedoch entfällt. Im schlimmsten Fall wird Ihnen maximal die Hälfte des niedrigeren Bußgeldes angerechnet.

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