Die BaFin hat die Risikoberichte der Versicherer deutlich kritisiert. Aus ihrer Kritik wird deutlich, dass sich der Bundesanstalt aus den Berichten nicht erschließt, ob die Versicherer zahlungsfähig sind. Das deutet darauf hin, dass die derzeitige Niedrigzinsphase den Versicherern nach wie vor zu schaffen macht und sie Schwierigkeiten haben, ihre zugesicherten Zinssätze auszuzahlen. Prüfen Sie deshalb jetzt, ob Sie aus Ihrer Versicherung aussteigen können und sollten.

Kritik an den Risikoberichten der Versicherer

Im aktuellen „BaFin-Journal“ hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ungewohnt deutliche Kritik an der Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung (Own Risk and Solvency Assessment – ORSA) der Versicherer geübt. Ihr Urteil lautete, dass sich die Qualität der Berichte zwar verbessert habe, jedoch noch Schwachstellen bestünden. Für die BaFin wird aus den von den Versicherern vorgelegten Berichten somit nicht ersichtlich, ob sie zahlungsfähig sind. Für die Zukunft fordert die Bundesanstalt von den Unternehmen erhebliche Verbesserungen.

Was ist ein ORSA-Bericht?

Der detaillierte ORSA-Bericht wird vom europäischen Aufsichtsregime Solvency II vorgeschrieben. Er dient dazu, aktuelle und künftige Risiken eines Unternehmens sowie den daraus resultierenden Kapitalbedarf zu analysieren und zu bewerten. Es soll garantiert werden, dass die Versicherer die Ansprüche ihrer Kunden bezahlen können und nicht in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Dem Bericht kommt deshalb solch große Bedeutung zu, weil ohne ihn keine angemessene und vorausschauende Beaufsichtigung der Versicherer möglich ist.

Welche Mängel kritisiert die BaFin?

Die Liste an Mängeln, die der BaFin zufolge bestehen, ist lang. Als ersten Punkt  kritisiert sie, dass die Informationen der Versicherer nicht genug in die Tiefe gehen und sie nicht mitteilen, auf welcher Basis sie ihr Risiko- und Kapitalmanagement einschätzen. Die gelieferten Zahlen und Schlussfolgerungen seien „teilweise nicht nachvollziehbar, weil die Annahmen, Methoden, Berechnungen und Beweggründe, auf denen sie basieren, nicht angegeben werden und sich auch nicht aus anderen Quellen erschließen.“ Die Bundesanstalt machte deutlich, dass sie in Zukunft deutlich mehr Hintergrundinformationen erwartet.

Veraltete Daten

„Erhebliche Sorge“ bereitet der BaFin zudem, dass viele Unternehmen auf veraltete Jahresabschlussdaten zurückgreifen, die für ihren aktuellen Bericht nicht repräsentativ sind. Auch die Tatsache, dass sie nur wenige Berichte erhielt, die von den Unternehmen ad hoc, also wegen einer wesentlichen Änderung ihres Risikoprofils, erstellt wurden, bemängelte die BaFin. Das könnte darauf hindeuten, dass die Versicherer nicht in allen Fällen über eine mögliche Änderung ihres Risikoprofils, also ihrer Zahlungsfähigkeit, Bericht erstatten.

Abweichungen von Solvency-II-Richtlinien

Die BaFin sieht weitere Makel: Bei der Beurteilung, wie hoch der Geldbedarf der Versicherer insgesamt ist, dürfen sie bis zu einem gewissen Grad von den Vorgaben aus den Solvency-II-Richtlinien abweichen. Sofern sie das tun, müssen sie ihr Vorgehen jedoch rechtfertigen. Die BaFin kritisiert, dass viele Versicherer ihr Handeln nicht ausreichend plausibel begründen.

Ungenaue Prognose für die Zukunft

Zudem reichen die Angaben der Versicherer in vielen Fällen nicht weit genug in die Zukunft: Zur Beurteilung ihrer Zahlungsfähigkeit fordert die BaFin, einen „mittelfristige[n] Zeithorizont von drei bis fünf Jahren zu betrachten“ und Risiken, die sich nur auf längere Sicht abzeichnen, auf diesen Zeitraum herunter zu brechen. Als „nicht akzeptabel“ bezeichnete die BaFin, dass einige Versicherer dieser Forderung in ihren Berichten nicht nachkommen.

Rolle der Geschäftsleitung

Auch die Rolle der Geschäftsleitung der Versicherer im ORSA-Prozess wurde von der BaFin als nicht aktiv genug kritisiert. Es sei aus den Berichten nicht ersichtlich, inwiefern die Ergebnisse der Risikobewertung von der Geschäftsleitung erkannt und umgesetzt werden.

Was bedeutet das für Versicherungsverträge?

Die von der BaFin bemängelten Risikoberichte deuten darauf hin, dass die derzeitige Niedrigzinsphase den Versicherern nach wie vor zu schaffen macht und sie Schwierigkeiten haben, ihre einmal zugesicherten Zinssätze zu erwirtschaften und auch auszuzahlen. Das Problem besteht darin, dass es bei Versicherungsverträgen, die vor ungefähr 20 Jahren abgeschlossen wurden, eine hohe Garantieverzinsung gibt. Diese liegt bei Lebensversicherungsabschlüssen von 1994 bis 1999 bei 4%. Die Verzinsung ist jedoch stark zurückgegangen und im Jahr 2017 garantieren die Lebensversicherungen in Deutschland ihren Neukunden lediglich noch einen Zins in Höhe von 0,9 Prozent. Ein Ende dieser Niedrigzinsphase ist derzeit nicht in Sicht. Wenn es nun zu einem erhöhten Aufkommen von Schadensfällen kommen sollte, kann dies bei den Versicherern zu Problemen führen, ihren Kunden die Verträge auszuzahlen. 

Welche Möglichkeiten bieten sich für Versicherte?

Um zu vermeiden, dass es bei Kunden zu Einbußen bei ihren Versicherungen kommt,  sollten sie prüfen, ob sich eine Rückabwicklung lohnt. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten:  Der Kunde kann seine Lebensversicherung vorzeitig kündigen. Eine weitere Möglichkeit wäre, die Lebensversicherung zu verkaufen. Beide Varianten sind jedoch nur mit hohen Verlusten möglich und bei Verträgen, die nach 2005 abgeschlossen wurden, müssen noch Steuern auf den ausgezahlten Betrag abgegolten werden. Es empfiehlt sich deshalb, zu prüfen, ob man per Widerspruch aus der Lebensversicherung aussteigen kann. Hier ist die Lage ähnlich wie bei Krediten, bei denen die Bank den Kunden über sein Widerrufsrecht informieren muss: Auch die Versicherungen müssen darüber belehren, dass die Kunden ein Widerspruchsrecht haben. In vielen Fällen sind diese Belehrungen jedoch falsch oder nicht eindeutig in den Vertragsunterlagen kenntlich gemacht.

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