Ein Recht auf Homeoffice sieht das Gesetz nicht vor. Doch die Corona-Pandemie hat die Arbeitswelt stark verändert. Das Arbeitsgericht Berlin hat nun in einem Streit über eine Kündigung entschieden, das die Arbeit von zu Hause bei technischer Machbarkeit eine Kündigung unwirksam macht.

Kündi­gung oder Umzug nach 28 Jahren im Betrieb

In einem Urteil vom August 2020 (Az. 19 Ca 13189/19) hat sich das Arbeitsgericht (ArbG) Berlin in einem Streit über eine „Änderungskündigung” zwischen einer Arbeitnehmerin und ihrem Arbeitgeber überraschend positioniert.

Die Arbeitnehmerin arbeitete seit 28 Jahren in der Berliner Niederlassung des Unternehmens. Der Arbeitgeber – ein Unternehmen mit Hauptsitz in Wuppertal – erklärte der Arbeitnehmerin die betriebsbedingte Kündigung, da die Niederlassung stillgelegt werden soll.

Da es sich um eine Änderungskündigung handelte, wurde die Kündigung mit dem Angebot verbunden, dass die Arbeitnehmerin alternativ in Wuppertal weiterarbeiten könne. Dafür sollte sie sich auf eine von fünf Stellen im Wuppertaler Hauptsitz bewerben, die für diesen Zweck reserviert wurden.

Die Arbeitnehmerin klagte daraufhin. Sie hielt die Kündigung für sozial ungerechtfertigt. Das ArbG Berlin schloss sich der Argumentation der Klägerin an und erklärte die Kündigung für unwirksam. Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass die Klägerin ihre Tätigkeit auch von zu Hause aus erledigen könne. Und zwar ungeachtet der Tatsache, dass es eigentlich keinen allgemeingültigen Anspruch auf Homeoffice gibt.

Home­office als geeignete Alter­native

Das Unternehmen konnte, dem Urteil des Gerichts zufolge, nicht überzeugend darlegen, weshalb die Arbeitnehmerin physisch anwesend sein muss, um ihrer Arbeit nachzugehen. Die Klägerin hatte hingegen nachvollziehbar argumentiert, dass ihre Tätigkeit soweit digitalisiert ist, dass sie problemlos von zu Hause aus arbeiten kann. Das digitale Arbeiten sei bereits seit drei Jahren im Betrieb üblich. Weshalb auch sie seitdem komplett digital mit elektronischer Aktenführung arbeite.

Und gerade angesichts der Dauer des Arbeitsverhältnisses würde es sich dabei um ein milderes Mittel handeln, als die Arbeitnehmerin vor die Wahl „Umzug oder Kündigung” zu stellen. Bei der Entscheidung der Richter:innen spielte es auch eine Rolle, dass die Arbeit im Homeoffice durch die Corona-Krise stärker verbreitet ist. Das Verhalten des Arbeitgebers erschien vor diesem Hintergrund, so die Richter:innen, „als aus der Zeit gefallen und letztlich willkürlich”.

Betriebs­bedingte Kündi­gung

Bei dem beschriebenen Gerichtsverfahren handelt es sich um ein Beispiel für eine betriebsbedingte Kündigung. Der Arbeitgeber muss in einem solchen Fall glaubhaft darlegen, dass der Beschäftigungsbedarf dauerhaft entfällt. Auch muss er zeigen, dass alle anderen Möglichkeiten der Weiterbeschäftigung, wie z.B. Homeoffice oder Kurzarbeit, ausgeschöpft wurden.

Bei einer Kündigung steht für Arbeitnehmer:innen viel auf dem Spiel, wie der Erhalt des Arbeitsplatzes oder die Aushandlung einer Abfindung. Auch gibt es zeitliche Einschränkungen für das Einreichen einer Kündigungsschutzklage. Die schnelle Unterstützung durch einen Anwalt bzw. eine Anwältin ist daher unbedingt ratsam. Denn diese können Ihnen dabei helfen, sich erfolgreich gegen eine Kündigung zu wehren und Ihren Arbeitsplatz zu erhalten.

Ihnen wurde gekündigt oder Sie erwarten eine Kündigung? Nutzen Sie umgehend unsere Erstberatung im Arbeitsrecht – bequem vom Sofa aus. Unsere Expert:innen um Fachanwältin für Arbeitsrecht Kaja Keller beantworten Ihnen gerne alle individuellen Fragen, kostenfrei und unverbindlich.

Schnell und einfach: Kosten­freie Erst­beratung bei Kündi­gungen

Unser Angebot

  • Kostenfreie Erstberatung im Arbeitsrecht

    Sie haben ein Problem mit Ihrem Arbeitgeber und wissen nicht, wie Sie sich verhalten sollen? Sie haben eine Kündigung erhalten oder wollen eine Abfindung aushandeln? Sie sind sich unsicher, ob es Sinn macht, jetzt einen Anwalt einzuschalten und Geld auszugeben? Dann nutzen Sie unsere kostenfreie Erstberatung. Wir beraten Sie bei sämtlichen Themen rund um das Arbeitsrecht – schnelle und zuverlässige Hilfe direkte vom Anwalt für Arbeitsrecht.

    weitere Informationen