Grauer Kapitalmarkt

Vor dem Grauen Kapitalmarkt sollte jedem Anleger grauen. Kaum gesetzlich geregelt findet hier im großen Stil Falschberatung durch unzureichend geschulte Anlagevermittlern und –berater als auch Betrüger statt, die oft schlechte Produkte mit hohen Zins- oder Renditeversprechungen als vermeintlich sichere Anlagen anbieten. Jedes Jahr verlieren hier deshalb Anleger zwischen 50 und 98 Milliarden Euro durch provisionsgetriebene und nicht verbraucherorientierte Beratung, die zum Verkauf von unseriösen und hochriskanten Finanzprodukten führt.

Typische Angebote am Grauen Kapitalmarkt

Der Graue Kapitalmarkt steht für Kapitalanlagen, die nicht an der Börse gehandelt werden. Je lukrativer das Angebot, desto riskanter die Anlage am Grauen Kapitalmarkt. Typische Angebote des Grauen Kapitalmarktes sind Unternehmensbeteiligungen, Genussrechte und andere hybride Anleiheformen, Schuldverschreibungen, Steuersparangebote aller Art (Steuersparmodell), Crowdfunding, Nachrangdarlehen, Immobilienbeteiligungen, Beteiligungen an vielversprechenden Infrastrukturprojekten aber auch Glücksspielbeteiligungen, Gold-Sparpläne, Direktinvestments (z.B. in Holz, Edelmetalle, Minen oder Tiere), Diamantenhandel, Kauf-und-Rückvermietungs-Verträge (Sale-and-Lease-Back), Termingeschäfte oder Schiffs- und Immobilienfonds.

Gefahren für die Anleger am Grauen Kapitalmarkt

Verluste bis hin zum Totalverlust müssen bei Kapitalanlagen des Grauen Marktes stets einkalkuliert werden. Die Gründe hierfür sind vielgestaltig. Zunächst kontrolliert keiner die Seriosität und Bonität der Anbieter, Initiatoren und Geschäftsleiter, die nicht selten bereits mit einer Kapitalanlage gescheitert sind oder keine Erfahrung haben. Ihr Geschäftsmodells prüft kein Experte auf wirtschaftliche Tragfähigkeit und auch das Finanzprodukt wird nicht kontrolliert. Bei „Betrieb“ findet keine Überwachung des Unternehmens statt, seine Bilanzwerden keiner Kontrolle unterzogen und wenn das Projekt scheitert, hat man keine Einlagensicherung.

Das Kleinanlegerschutzgesetz (2015) soll den Grauen Kapitalmarkt ein wenig erhellen. Neue Transparenzregeln sowie eine Pflicht zur besseren Informationen über die Risiken von Vermögensanlagen wurden eingeführt und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) bekam neue Aufsichtsbefugnisse. Sie kann nunmehr die Rechnungsunterlagen eines Unternehmens des „Grauen Kapitalmarkts“ bei Hinweisen auf bestehende Missstände durch einen externen Wirtschaftsprüfer prüfen lassen. Aber auch wenn die Regeln verschärft wurden, hat sich am hohen Risiko der Produkte nichts geändert.

Ein Ende mit Schrecken...

Das Tragische an diesem Markt besteht in der perfiden Täuschung der Anleger. Denn viele von ihnen sind überzeugt davon, eine gute und sichere Anlage gezeichnet zu haben, weil ihnen der Verkäufer ein überaus vorteilhaftes Bild von dem Produkt gezeichnet hat. Umso größer ist dann die Enttäuschung oder der Schreck, wenn sich die Erwartungen nicht erfüllen und der investierte Betrag „dahinschmilzt“.