Schiffsfonds

Wer in der Vergangenheit nach einer "guten" Geldanlagemöglichkeit suchte, dem wurden häufig Schiffsfonds angeboten, die vor allem Tanker, Container- und Massengutfrachter finanzieren. So unsicher wie die See, so unsicher sind auch Schiffsfonds. Sie sind mit Risiken behaftet, die den Anleger schnell baden gehen lassen können.

Was sind Schiffsfonds?

Schiffsfonds bzw. Schiffsbeteiligungen sind geschlossene Fonds, bei denen das Geld der Anleger in den Bau oder den Erwerb von Schiffen investiert wird.
Sie kommen zustande, indem eine Reederei zusammen mit einem Emissionshaus (HCI, Lloyd Fonds, North Capital etc.) ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Zweck der Finanzierung und dem Betrieb von Schiffen gründet. Dafür werden von dem Emissionshaus Schiffsfonds aufgelegt, für die aus steuerlichen Gründen eine GmbH & Co. KG (Fondsgesellschaft) gewählt wird.

Die Fondsgesellschaft erwirbt ein oder mehrere Schiffe und betreibt sie mittels eines Reeders. Das Anlageobjekt kann ein bereits im Betrieb befindliches Schiff oder ein Neubau sein. Üblich sind Containerschiffe, Tanker und Massengutfrachter (Bulker) aller Größen. Aber auch Spezialschiffe kommen für Schiffsfonds in Frage.

Die Fondsgesellschaft überlässt das Schiff für eine bestimmte Zeit dem Reeder zur Nutzung, meist zusammen mit der Besatzung und erhält dafür Chartereinnahmen. Während der Betriebsphase erzielt die Fondsgesellschaft Erlöse aus der Vercharterung des Schiffes, die nach Abzug der Verbindlichkeiten für die Fremdfinanzierung des Schiffes und der laufenden Kosten des Geschäftsbetriebs sowie sonstiger Kosten (wie Treuhandgebühren) an die Anleger ausgeschüttet werden. Am Ende der Laufzeit des Fonds wird das Schiff veräußert und der Erlös nach Begleichung von Verbindlichkeiten an die Anleger ausgezahlt.

Wie werden Anleger bei Schiffsfonds beteiligt?

Die Anleger werden bei einem Schiffsfonds Kommanditisten. Ihre Mindesteinlage beträgt üblicherweise 10.000 € bis 25.000 €. Schiffsfonds sind langfristige Beteiligungen; sie haben meist eine Laufzeit zwischen 10 und 25 Jahren. Den Anleger werden häufig anfängliche Ausschüttungen von ca. 7 % prognostiziert, die bis zum Ende der Laufzeit manchmal sogar bis auf 25 % steigen sollen.

Schiffsbeteiligungen werden sehr häufig aus erbschafts- und schenkungssteuerlichen Gründen gezeichnet*. Für Kleinanleger sind Schiffsfonds eher ungeeignet. Auf Grund ihrer Besonderheiten sollten sie nur als Beimischung für ein Portfolio gezeichnet werden. Zu groß sind ihre Unsicherheiten und Risiken.

Falschberatung: Vermittlung von Schiffsfonds

Der Vertrieb von Schiffsfonds erfolgt in etwa je zur Hälfte über Banken bzw. Sparkassen und über freie Anlageberater bzw. Maklerpools. Schiffsfonds zählen zu den Anlageprodukten des Kapitalmarktes mit den höchsten Provisions- und Werbekosten.

Angesichts der Risiken dieses Fondssegments verlangt der Vertrieb von Schiffsfonds seitens der Vermittler eine besonders qualifizierte Beratung. Grundsätzlich schuldet der Anlageberater bzw. Vermittler seinem Kunden eine anlage- und anlegergerechte Beratung. Das heißt, er ist zur eigenständigen Prüfung des Angebots und einer Beratung verpflichtet, die die persönliche Situation und die individuellen Ziele seines Kunden berücksichtigt. Er muss ihn insbesondere über die speziellen Risiken des Angebots – wie das Charterrisiko - aufklären. Verstößt der Berater oder Vermittler gegen diese Pflichten, haftet er. Falsch oder unzureichend beratene Anleger können den Vermittler bzw. Berater auf Schadenersatz in Anspruch nehmen.

Pflichtverletzungen bei der Vermittlung von Schiffsfonds

Abgesehen von einer falschen oder unzureichenden Risikoberatung sind folgende Pflichtverletzungen bei der Vermittlung von Schiffsfonds typisch:
Keine Aufklärung über

  • das Totalverlustrisiko
  • eine mögliche Nachschusspflicht
  • die Abhängigkeit der Rendite vom Dollarkurs (Wertverfall des Dollars – Charterabrechnung üblicherweise in Dollar, die Auszahlungen aber in Euro)
  • das Betriebskostenrisiko (steigende Energie- und Personalkosten)
  • die mögliche Überschreitung der ohnehin schon langen Laufzeit
  • gravierende finanzielle Verluste bei einem vorzeitigen Ausstieg
  • schwieriger Verkauf von Schiffsfondsanteilen, da der Zweitmarkt der geschlossenen Fonds absolut unterentwickelt ist
  • hohe Vertriebsvergütung (Provision), die 15 % bis 20 % der Einlage betragen kann

Chancen und Risiken von Schiffsfonds

Die Anleger werden mit ihrem Eigenkapital am wirtschaftlichen Ertrag der Fondsgesellschaft beteiligt. Das bedeutet nicht nur einen entsprechenden Anteil am Gewinn, sondern auch, dass ein Totalverlust des eingezahlten Kapitals möglich ist. Im Verkaufsprospekt müssen die Chancen und Risiken beschrieben werden. Doch ein Verkaufsprospekt ist auch ein Werbeprospekt und so werden häufig die Risiken zugunsten der Chancen nur kurz oder als allgemeines (eher unwahrscheinliches) Lebensrisiko beschrieben. Vermittler von Schiffsfonds – die diese Anlage provisionsorientiert verkaufen wollen – stellen gegenüber ihren Kunden sehr oft die Vorzüge und Chancen heraus. Stellt ein Vermittler die Risiken der Beteiligung in den Vordergrund seiner Beratung, dann wird jeder vernünftige Anleger Abstand von dieser Beteiligung nehmen.

Überkapazitäten und fallende Frachtraten haben die Schiffsfonds in die Insolvenz getrieben. Inzwischen sind ca. 500 Schiffsfonds insolvent, ihre Frachter und Tanker mussten meist mit hohen Verlusten verkauft werden. Und am Ende haben hunderttausende Anleger sehr viel Geld verloren. Die Rede ist von mehr als zehn Milliarden Euro. Als ihr Schiffsfonds kriselte, wurden oft zunächst ihre Ausschüttungen zurückverlangt. Spätestens der Insolvenzverwalter bat sie dann zur Kasse. Die meisten Schiffsfondsanleger wurden von dieser Entwicklung total überrascht. Von Risiken war keine Rede, schon gar nicht vom Totalverlustrisiko. Alles sei super sicher und super lukrativ. Und so traute man dem Finanzberater. Sie sind die Gewinner neben den Banken und Emissionshäusern.

*Das Bundesverfassungsgericht hat durch Beschluss vom 07.11.2006 (Az.: 1 BvL 10/02) diese Bevorzugung von Schiffsbeteiligungen gegenüber anderen Vermögenswerten im Rahmen der Erbschaft- und Schenkungsteuer für grundgesetzwidrig erklärt. Die bestehende Rechtslage bleibt bis zu einer Neuregelung weiterhin anwendbar. Der Gesetzgeber ist verpflichtet, eine Neuregelung spätestens bis zum 31.12.2008 zu treffen.

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Wir helfen Anlegern, wenn ihre Schiffsfonds-Beteiligung nicht die zugesicherten Ausschüttungen erbringt, Nachschüsse fällig werden oder aber Ihre Einlage am Ende der Laufzeit „geschrumpft“ bzw. einem Totalverlust anheim gefallen ist.

Wer Fondsanteile gezeichnet hat und dabei falsch beraten wurde, hat Anspruch auf Schadenersatz. Wenn die Bank oder der Vermittler einen Schiffsfonds empfohlen hat, der nicht zum Anleger passt, muss für den Schaden aufkommen. Finanzberater müssen die Produkte, die sie anbieten, auf Plausibilität hin überprüfen. Außerdem sind sie verpflichtet, darüber aufzuklären hat, ob und wie viel Provision sie für den Verkauf der Fondsanteile erhalten. Unterlassen sie dies, haftet sie dafür. 

Der Schiffsfondsanleger kann aber auch einen Schadenersatzanspruch aus Prospekthaftung gegenüber dem Prospektverantwortlichen haben, wenn dieser Fehler enthält und der Anleger dadurch getäuscht wurde.

Unsere Fachanwälte für Bank- und Kapitalmarktrecht raten betroffenen Anlegern, möglichst frühzeitig zu reagieren und ihre Ansprüche prüfen zu lassen, denn bestimmte Ansprüche verjähren nach relativ kurzer Zeit.

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