Fahrlässigkeit im Straßenverkehr - Was Ihnen droht, wenn Sie sich im Auto fahrlässig verhalten

Im Straßenverkehr müssen Sie nicht nur sich selbst vor gefährlichen Situationen schützen, sondern haben auch eine Sorgfaltspflicht gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern. Verletzen Sie diese Pflicht, handeln Sie fahrlässig. Resultiert aus dieser Fahrlässigkeit ein Unfall, drohen schwere Strafen und hohe Bußgelder. Das droht bei fahrlässigem Verhalten im Straßenverkehr.

Wie wird Fahrlässigkeit definiert?

Im deutschen Rechtssystem findet der Begriff "Fahrlässigkeit" in vielen Bereichen Anwendung. Sowohl im Zivil- als auch im Strafrecht kann ein Vergehen als fahrlässig eingestuft werden. Hierbei wird zwischen einer bewussten und unbewussten Fahrlässigkeit unterschieden.

Von unbewusster Fahrlässigkeit wird gesprochen, wenn es einer Person zuzumuten ist, etwas mit der notwendigen Sorgfalt auszuführen, diese eine Folge aber nicht vorhergesehen hat. Der Person ist im Moment der Tat nicht klar, was passieren kann – es hätte aber klar sein können.

Bewusst fahrlässig wird gehandelt, wenn die Person sich über die möglichen Folgen ihrer Tat im Klaren ist, jedoch pflichtwidrig darauf vertraut, dass diese nicht eintreten. Der Person ist also klar, was passieren kann und sie hofft darauf, dass dies nicht passiert.

Fahrlässig handelt, wer die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht lässt.
§ 276 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)

Die Fahrlässigkeit wird jedoch nur beachtet und bezüglich des Strafmaßes berücksichtigt, wenn der Verstoß im Gesetz ausdrücklich mit der Fahrlässigkeit verknüpft ist. Fahrlässigkeit im Straßenverkehr kann also in den meisten Fällen nur bestraft werden, wenn es tatsächlich zu einer Sachbeschädigung oder einer Körperverletzung gekommen ist.

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Wie wird zwischen einfacher und grober Fahrlässigkeit unterschieden?

Das Strafmaß wird immens dadurch beeinflusst, wie massiv die Fahrlässigkeit eingestuft wird. Pauschal ist jedoch sehr schwer zu sagen, wann von einer einfachen und wann von einer groben Fahrlässigkeit gesprochen wird.

Häufig ist davon abhängig, welcher Schaden aufgrund der Fahrlässigkeit entstanden ist. Jedoch ist es auch möglich, dass zwei Unfallteilnehmer beide leicht fahrlässig gehandelt haben und so ein Unfall entstanden ist. Hier kann dann nicht einer Partei grobe Fahrlässigkeit unterstellt werden. Das ist jeweils eine Einzelfalleinschätzung, die vom Ablauf und Schaden eines Unfalls abhängt.

Einfache Fahrlässigkeit

Die Person macht sich einer leichten Verletzung der Sorgfaltspflicht schuldig. Nimmt ein Autofahrer nicht mit der erforderlichen Sorgfalt am Straßenverkehr teil, dann spricht man von einfacher oder leichter Fahrlässigkeit. Kommt es zu leichten Pflichtverletzungen, dann wird von einfacher Fahrlässigkeit gesprochen.

Beispiel:

Fährt ein Autofahrer im zähen Stadtverkehr relativ nah auf und hält nicht den notwendigen Sicherheitsabstand ein, gilt das im Falle eines Auffahrunfalls als leicht oder einfach fahrlässig. Der Autofahrer hätte erkennen können, dass sein Verhalten andere Verkehrsteilnehmer gefährdet, jedoch war das Risiko relativ gering.

Grobe Fahrlässigkeit

Verletzt eine Person die Sorgfaltspflicht in großem Maße, dann handelt sie grob fahrlässig. Werden Folgen in Kauf genommen, die eigentlich jedem hätten klar sein müssen, und kommt es zu groben Pflichtverletzungen, dann wird die Fahrlässigkeit höher eingestuft. Grobe Fahrlässigkeit liegt also vor, wenn die Sorgfaltspflicht in ungewohnt hohem Maß verletzt wurde.

Beispiel:

Wird die erlaubte Maximalgeschwindigkeit weit überschritten und kommt es zu einem Unfall mit Verletzten oder gar Toten, dann wird von grober Fahrlässigkeit gesprochen. In Fällen von fahrlässiger Körperverletzung oder fahrlässiger Tötung wird das Verhalten beinah immer als grob fahrlässig eingestuft.

Wann handle ich im Straßenverkehr fahrlässig?

Jeder Autofahrer handelt fahrlässig, wenn er ein Risiko im Straßenverkehr eingeht. Auch nur minimal riskante Situationen können einen Unfall provozieren. Das Überfahren einer roten Ampel, zu schnelles Fahren, einem anderen Verkehrsteilnehmer die Vorfahrt nehmen – das sind nur wenige Situationen, in denen Autofahrer fahrlässig handeln und sich dabei im Klaren sind, welche Folgen ihr Handeln haben kann.

Folgende Verstöße von Fahrlässigkeit werden geahndet:

  • Fahrlässige Sachbeschädigung durch einen Verkehrsunfall
  • Fahrlässige Brandstiftung
  • Fahrlässige Körperverletzung im Straßenverkehr
  • Fahrlässige Tötung beim Verkehrsunfall

Fahrlässige Sachbeschädigung, Körperverletzung und auch Tötung ist möglich, wenn Autofahrer fahrlässig im Verkehr handeln. Oftmals erkennen Verkehrsteilnehmer erst nach einem Vorfall oder Unfall, dass ihr Verhalten fahrlässig war.

Häufig resultiert Fahrlässigkeit auch aus Selbstüberschätzung. Der Fahrer selbst sieht häufig keine Gefahr dabei, eine Geschwindigkeitsüberschreitung zu begehen, jedoch ist dieses Verhalten bereits sehr wohl fahrlässig.

Mit riskantem Verhalten bringen Autofahrer sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr. Schnelles Fahren, Rotlichtverstöße und die Missachtung der Vorfahrt sind fahrlässige Entscheidungen des Fahrers im Straßenverkehr.

Doch auch die Nutzung des Handys während des Autofahrens stellt eine extreme Ablenkung und ein immenses Sicherheitsrisiko für alle anderen Verkehrsteilnehmer dar. Auch in diesem Fall handelt der Fahrer ganz klar fahrlässig, da er seine Sorgfaltspflicht verletzt, indem er seinen Blick von der Fahrbahn nimmt.

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Wie wird Fahrlässigkeit im Straßenverkehr geahndet?

Die Konsequenzen von fahrlässigem Handeln im Straßenverkehr können schwer pauschal benannt werden. Je nachdem, welcher Schaden aufgrund der Fahrlässigkeit entstanden ist, fällt die Strafe anders aus.

Fahrlässigkeit im Straßenverkehr kann mit Bußgeld, Punkten in Flensburg, Führerscheinentzug oder sogar einer Freiheitsstrafe geahndet werden.

  • Werfen Sie Ihren Zigarettenstummel aus dem Fenster Ihres Auto und entzündet sich aufgrund dessen ein Brand, wird Ihnen fahrlässige Brandstiftung vorgeworfen. Hier entscheidet der entstandene Schaden über die Strafe.
  • Kommt bei einem von Ihnen verursachten Unfall jemand ums Leben, dann handelt es sich um fahrlässige Tötung. Das ist eine Straftat, die nach § 222 des Strafgesetzbuches mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren bestraft wird.
  • Werden bei einem Unfall Beteiligte verletzt, können diese aufgrund von fahrlässiger Körperverletzung Schadensersatz von Ihnen verlangen.
  • Geschieht aufgrund von Fahrlässigkeit ein Unfall und es wird Fahrerflucht begangen, dann sieht das Gesetz ebenfalls eine Straftat. Nach § 142 des Strafgesetzbuches wird dieses Vergehen mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren und einer hohen Geldstrafe geahndet.
Gut zu wissen

Probleme mit der Versicherung

Selbst wenn Sie aufgrund Ihres fahrlässigen Handels keine rechtlichen Konsequenzen fürchten müssen, können Sie versicherungstechnisch Probleme bekommen. Denn im Falle von Fahrlässigkeit lehnt die Versicherung meist die Übernahme der Kosten eines Unfalls ab. Die Versicherung wird den entstandenen Schaden erst einmal bezahlen und anschließend den Unfallverursacher in Regress nehmen. Die Versicherung wird also Rückforderungen verlangen und sich einen Teil der Regulierungssumme zurückholen.

Wo liegt der Unterschied zwischen Vorsatz und Fahrlässigkeit?

Beide Begriffe beschreiben eine Risikoentscheidung des "Täters" beim Ausüben seiner Tat. Die Person kann die Folgen seiner Tat abschätzen und entschließt sich aktiv dafür, das Risiko dennoch einzugehen.

Der Unterschied zwischen Fahrlässigkeit und Vorsatz liegt im Motiv. Denn ein vorsätzliches Handeln liegt vor, wenn sich der Täter bewusst und absichtlich dafür entscheidet, eine Tat auszuführen. Seine Absicht ist es, die möglichen Folgen Realität werden zu lassen. Ein Autofahrer, der also vorsätzlich handelt, möchte einen Verkehrsunfall provozieren und dabei anderen Verkehrsteilnehmern schaden.

Ein fahrlässig handelnder Autofahrer entschließt sich, über einen rote Ampel zu fahren, mit dem Wissen, dass ein Unfall geschehen kann, vertraut aber darauf, dass diese Folge nicht eintritt. Vorsatz schließt also eine bewusst gewollte Tatbestandsverwirklichung mit ein, wogegen Fahrlässigkeit lediglich in Kauf nimmt, dass ein Tatbestand verwirklicht werden kann, in der Hoffnung, dass dem nicht so ist.

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